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Wissen träges

 
     
   
Bezeichnung für Wissen, das bei entsprechender Aufforderung zwar wiedergegeben werden kann, das aber, obwohl relevant, bei Problemstellungen nicht spontan genutzt wird (oder auch nicht genutzt werden kann). Dieser Begriff wird vor allem gebraucht, wenn in schulanalogen Lernarrangements, wie etwa im Schulunterricht, in Universitätsseminaren oder in Weiterbildungskursen, Kenntnisse erworben werden, auf die nicht zurückgegriffen wird, wenn es darum geht, komplexe Probleme des Schul- oder Alltagslebens zu lösen. In der Literatur kann man drei unterschiedliche Arten der Erklärung dieses Phänomens finden. Metaprozeßerklärungen gehen davon aus, daß das notwendige Wissen vorhanden ist, aber nicht genutzt wird, da über dem Wissen laufende Zugriffsprozesse, also Metaprozesse, defizitär sind. Es wird beispielsweise auf fehlendes metakognitives Wissen um die Anwendungsbedingungen von Wissen verwiesen. Strukturdefiziterklärungen sehen die Defizite im Wissen selbst angesiedelt, d.h. das Wissen ist nicht in einer Form vorhanden, die eine Anwendung desselben erlauben würde (z.B. Wissenskompartmentalisierung: nicht vernetztes, in unterschiedlichen "Schubladen" abgespeichertes Wissen). In Situiertheitserklärungen wird der traditionelle Wissens- und Transferbegriff der kognitiven Psychologie in Frage gestellt (Kognition). Eine Vorstellung von Wissen als Entität, die in einem Kontext (z.B. Weiterbildungskurs) erworben und in einen anderem Kontext (z.B. Arbeitsplatz) wieder abgerufen werden kann, wird abgelehnt. Es wird vielmehr die prinzipielle Kontextgebundenheit von Wissen betont. Gleich welche der drei Arten von Erklärung bevorzugt wird, scheint es sinnvoll zu sein, Lernende vermehrt mit komplexen, realitätsnahen Problemen zu konfrontieren, um so den Erwerb anwendbaren, nicht-trägen Wissens zu fördern.

Literatur

Renkl, A. (1996). Träges Wissen: Wenn Erlerntes nicht genutzt wird. Psychologische Rundschau, 47, 78-92.


 
     
 
 
 
     
 
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