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implizite Theorien

 
     
   
persönliche Überzeugungen, deren Gültigkeit unterstellt wird und die bei der Beurteilung von Personen (Personwahrnehmung), Situationen u.a. mit einfließen, ohne daß eine vertiefte kritische Analyse erfolgt. Man spricht daher auch von Alltagstheorien. Bei der Bewältigung von Situationen des Alltagslebens orientieren sich Menschen häufig an subjektiven Annahmen über den Zusammenhang von Sachverhalten - im Gegensatz zu wissenschaftlichen Theorien, die schriftlich ausformuliert und mit anerkannten Methoden empirisch überprüft werden ("explizite Theorien"). Zu impliziten Theorien gehören viele Plausibilitätsannahmen, so etwa, daß körperliche Sauberkeit mit dem Vorhandensein eines Badezimmers zu tun hat. Näher erforscht wurden insbesondere folgende drei Bereiche: 1) implizite Persönlichkeitstheorien: Aus dem Vorhandensein einer Persönlichkeitseigenschaft wird auf das Vorhandensein einer oder mehrerer anderer Eigenschaften geschlossen (Beispiel: "dumm, faul, frech"). 2) implizite Führungstheorien: Vorgesetzte "wissen" genau, wie man mit unterschiedlichen Kategorien von Mitarbeitern umgehen muß, und Mitarbeiter, wie man Vorgesetzte behandeln sollte. 3) implizite Erziehungstheorien: subjektive Überzeugungen darüber, welches Erziehungsverhalten bei bestimmten Schülern effektiv ist. Die subjektive Gewißheit der Gültigkeit impliziter Theorien ergibt sich einerseits aus der Selektivität der Wahrnehmung, andererseits im interpersonalen Kontext als Effekt der Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung, da man sich gegenüber einer anderen Person so verhält, daß deren Reaktion die eigene Annahme bestätigt. Ferner handelt es sich oft um sozial geteilte Ansichten, so daß ein Beweis der Richtigkeit darin gesehen wird, daß weitere Personen die gleiche Meinung vertreten.

Literatur

Neubauer, W. (1986). Implizite Führungstheorien und Führungserfahrung bei Vorgesetzten. In K. Daumenlang & J. Sauer (Hrsg.), Aspekte psychologischer Forschung (S. 75-90). Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
 
     
 
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