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Wahrnehmung

 
     
   
zunächst das Erfassen der Umwelt mithilfe der Sinnesorgane und die Verarbeitung dieser Eindrücke auf Grund früherer Erfahrungen. Zur äußeren Wahrnehmung tritt das Erlebnis innerer Vorgänge, sei es auf Grund einer planmäßigen Selbstbeobachtung (Introspektion), sei es infolge einer spontan deutlichen Regung. Auch die äußere Wahrnehmung ist durch innerseelische Verhältnisse mitbedingt. Wenn wir von einem starken Interesse beherrscht werden, nehmen wir nur das wahr, was sich darauf bezieht. Der fahrige Verliebte ist in Wahrheit äußerst konzentriert auf seine Liebe. Wer materielle Not leidet, ist für moralische Forderungen nahezu blind. Zwar nehmen wir auch vieles wahr, dem wir keine Aufmerksamkeit schenken, aber wir registrieren es nicht bewußt. Mit wachsender Erfahrung steigen auch die Erwartungen, die wir in neue Wahrnehmungen hineintragen. Wir sehen, hören, riechen, schmecken oder ertasten nicht mehr die objektive Wirklichkeit, sondern wählen aus, was daraus eine Beziehung zu uns hat, oder meinen sogar wahrzunehmen, was real gar nicht da ist, sondern zu unseren Wünschen, Ängsten und Erinnerungen gehört. Jede Sammlung von Zeugenaussagen etwa über einen Autozusammenstoß beweist die psychisch bedingte Unzuverlässigkeit der vermeintlichen Wahrnehmung. Im wissenschaftlichen Experiment sucht man Bedingungen zu schaffen, die solche Selbsttäuschungen ausschließen oder rückgängig machen. Aber mit den Versuchsanordnungen im Labor wird gleichsam eine künstliche Umwelt gebaut, in der sich eben doch nicht das wiederholen kann, was sonst geschieht. Einige Erscheinungen des seelischen Lebens lassen sich im Experiment überhaupt nicht erfassen. Eine scharfe Grenze zwischen Wahrnehmung und Empfindung oder »Gefühl« ist nicht zu ziehen. Das entbindet uns nicht von der Notwendigkeit, Realitäten so gut von dem Wunschdenken zu unterscheiden, wie es uns nur möglich ist.Verarbeitung der Empfindungen im Organismus, die zu einem relativ stabilen und zuverlässigen Bild der Umwelt führt, wie es für das Überleben dieses Organismus dienlich ist. Die Wahrnehmung ist teils ein von der Natur der Reize und der Beschaffenheit der Sinnesorgane bestimmtes Geschehen, das aber auch durch die Erfahrung, die gegenwärtigen Wünsche und die Aufmerksamkeit des Individuums bestimmt wird: Ein hungriger Mensch nimmt bevorzugt Gegenstände wahr, die mit der Befriedigung seines Hungers zu tun haben; ärmere Kinder schätzen Münzen größer ein als reichere. Das Zustandekommen der Wahrnehmungen aus den Reizempfindungen der Sinnesorgane wird durch die Gestalt-Gesetze erklärt.
 
     
 
 
 
     
 
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