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Vorwissen

 
     
   
Kenntnisse (”Wissen, daß”) und Fertigkeiten (”Wissen, wie”) einer Person in einem bestimmten Gegenstandsbereich (Domäne). Obwohl eine exakte Abgrenzung von Domänen schwierig ist, besteht Übereinstimmung darin, Domänen in der Regel relativ weit zu fassen. Schach, Physik, medizinische Diagnostik werden z.B. als Domänen angesehen. Das dahinterstehende Rationale der Definition von (domänenspezifischem) Vorwissen besteht darin, daß Wissensbestände, zwischen denen zumindest bei Experten zahlreiche, enge Verbindungen bestehen, als funktionale Einheit konzipiert werden, da sie, zumindest jeweils in Teilen, bei der Bearbeitung von domänenspezifischen Problemen in integrierter Weise eingesetzt werden können.

Dem Vorwissen kommt eine äußerst bedeutsame Rolle für Problemlöse- und Lernleistungen zu (Problemlösen, Lernen, Kognition). Dies zeigen drei Forschungsstränge besonders eindrücklich auf. 1) Die Expertiseforschung offenbart, daß z.B. Höchstleistungen im Schach weniger dadurch zustande kommen, daß ein Topspieler über besonders hohe Fähigkeiten zum logischen Denken o.ä. verfügt, als vielmehr über ein reichhaltiges, stark vernetztes schachbezogenes Wissen. Großmeister haben unter anderem Tausende von Schachstellungen mit entsprechenden Zugvorschlägen im Gedächtnis gespeichert. 2) In der Lehr-Lern-Forschung wird immer wieder gefunden, daß die bedeutendste Determinante des Lernerfolgs im Vorwissen besteht. Wer schon viel weiß, kann auch viel dazulernen; wer wenig weiß, tut sich schwer, etwas zu lernen (Aptitude-Treatment-Interaktion). 3) In der ”conceptual change”-Forschung zeigt sich ebenfalls die hohe Bedeutung des Vorwissens, in diesem Fall aber im negativen Sinne. Intuitive Konzepte (z.B. ”flache Erde”) widersprechen oftmals wissenschaftlichen Auffassungen (”runde Erde”), sind dafür aber in der Alltagserfahrung tief verwurzelt. Entsprechend schwierig ist es, diese zu verändern (intuitive Konzepte, implizite Theorien, Wissen).

Literatur

Renkl, A. (1996). Vorwissen und Schulleistung. In J. Möller & O. Köller (Hrsg.), Emotionen, Kognitionen und Schulleistung (S. 175-190). Weinheim: Beltz.


 
     
 
 
 
     
 
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