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Problemlösen

 
     
   
läßt sich nach drei Komponenten unterscheiden: Anfangszustand, Zielzustand und Operationen, durch die die Differenz zwischen diesen beiden Zuständen überwunden wird. Probleme wiederum lassen sich danach klassifizieren, wie gut diese einzelnen Komponenten definiert sind. 1) Als erstes haben sich Gestaltpsychologen dem Problemlösen zugewandt (Gestaltpsychologie). Sie deuteten ein Problem als Vorliegen einer schlechten Gestalt, die durch eine Umstrukturierung des Problems in eine gute Gestalt überführt werden kann. Entscheidend ist dabei eine Reorganisation der urspünglichen Problemrepräsentation, wodurch die oftmals mit einem Aha-Erlebnis verbundene Problemlösung ermöglicht wird. 2) In den 60er Jahren setzte sich die Sichtweise von Problemlöseaktivitäten als Informationssuche in einem mentalen Raum durch. Als Untersuchungsmaterial fungierten sehr häufig Denksportaufgaben. Im Gegensatz zu den gestaltpsychologischen Untersuchungen lag der Akzent der Forschung auf der Analyse von Problemlösestrategien. Bevorzugte empirische Erhebungsmethode war die Erfassung der einzelnen Problemlöseschritte mittels simultanen lauten Denkens und der anschließenden Computermodellierung der postulierten Problemlösestrategien. Die theoretischen Bemühungen basierten auf der Annahme, daß der Problemlösende während der Problemsuche verschiedene Wissenszustände erreichen kann. Diese definieren den Problemraum, eine Metapher, die sich bei der Analyse von Problemlöseprozessen als äußerst fruchtbar erwiesen hat. Einzelne Problemlöseschritte lassen sich dann einfach dadurch kennzeichnen, daß sie einen Zustand des Problemraums in einen anderen überführen. Erfolgreiches Problemlösen läßt sich solchermaßen auf der Basis der Problemraummetapher als die Suche nach einer gültigen Sequenz von Zuständen des Problemraums fassen, die vom Anfangszustand zum Zielzustand führt. Im Fokus der Forschungsbemühungen stand die Identifizierung derjenigen Prinzipien, nach denen Personen den Problemraum absuchen. Beispielsweise versucht der Problemlöser bei der Methode der sukzessiven Unterschiedsreduktion, den Abstand zwischen dem bereits erreichten Zustand und dem Zielzustand durch die Erreichung von Zwischenzielen zu vermindern. Bei der Setzung von Zwischenzielen kann man sowohl vom Anfangszustand (Vorwärtssuche) als auch vom Zielzustand (Rückwärtssuche) ausgehen, wobei erstere Strategie typischerweise von Experten, letztere von Novizen eingeschlagen wird. Eine effektive Form der Auswahl von Teilzielen ist die sogenannte Mittel-Ziel-Analyse, bei der permanent der Ist-Zustand auf mögliche Mittel hin untersucht wird, angestrebte Teilziele zu verwirklichen. 3) Die Sichtweise des Problemlösens als Informationsverarbeitung wurde in den 80er Jahren ergänzt durch Befunde der Expertiseforschung, die den enormen Einfluß des Vorwissens und der Vorerfahrung auf Problemlöseprozesse überzeugend nachweisen konnte. Neben artifiziellen Denksportaufgaben wurde deshalb stärker das Problemlöseverhalten in verschiedenen Alltagsbereichen untersucht, beispielsweise der Mathematik, der Physik oder dem Schachspiel. Es stellte sich dabei heraus, daß das Problemlösen der Experten weniger durch aufwendige Suchprozesse in einem mentalen Problemraum gekennzeichnet ist als vielmehr durch Anwendung routinisierter Problemlöseprozeduren bzw. in vielen Fällen auch durch direkten Abruf von (Zwischen-) Lösungen aus dem Gedächtnis. Dagegen ist das Problemlösen von Personen, die kein Vorwissen zu einer Aufgabe mitbringen, in der Regel langsam und sehr fehleranfällig.

Empirische Forschungen haben gezeigt, daß Personen in vielerlei Hinsicht suboptimale Problemlöser sind. So ist bereits die initiale Problemrepräsentation oftmals fehlerhaft und unvollständig. Dabei schleichen sich häufig stillschweigende Zusatzannahmen ein, die in der Problemstellung gar nicht gegeben wurden. Personen fällt es dabei besonders schwer, bei bekannten Problemen effizientere, aber neuartige Formen der Problemrepräsentation zu finden. Dies trifft auch auf die Lösungsschritte selbst zu, wobei Vorwissen eine doppelschneidige Rolle spielt. Bei einer Vielzahl von Aufgabentypen hat sich gezeigt, daß einmal eingeschliffene erfolgreiche Lösungswege immer wieder versucht werden, auch wenn einfachere – und für unvoreingenommene Beobachter ganz offensichtliche – Lösungswege möglich sind. Als wissenschaftliche Antwort auf diese restringierten menschlichen Problemlösekapazitäten konnte mittlerweile eine Reihe effizienter Trainingsprogramme entwickelt werden.


 
     
 
 
 
     
 
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