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Gedächtnis

 
     
   
die Fähigkeit, Erfahrungen und Kenntnisse zu behalten und sich bei Bedarf wieder an sie zu erinnern. Physiologisch ist das Gedächtnis von der Funktion bestimmter Gehirnzellen abhängig, in die sich wahrscheinlich die Gedächtnisinhalte »eingeprägt« haben (Engramme). Erfahrungen prägen sich je nach ihrer augenblicklichen Bedeutung ein, und besonders dann, wenn sie mit der Befriedigung oder der Versagung von Wünschen oder aber mit einer Angst vor Gefahren zu tun haben. Dennoch ist die Erinnerung daran nicht immer ohne weiteres verfügbar. Wir vergessen Unannehmlichkeiten und Peinlichkeiten, indem wir sie ins Unbewußte verdrängen. Daß die Erinnerung daran nicht verschwunden ist, zeigt ihr Aufsteigen in Träumen, Fehlleistungen und Symptomen, in denen sie sich bis zur Unkenntlichkeit getarnt haben. Mit den Methoden der Psychoanalyse kann man sie wieder ins Bewußtsein heben. Diese Amnesie (Gedächtnisschwund) beeinträchtigt auch die Verfügungsgewalt über Kenntnisse, wenn sie in irgendwie unangenehme Zusammenhänge gehören. So entfallen uns vorübergehend durchaus geläufige Eigennamen, die an eine peinliche Assoziationskette geknüpft sind. An einer solchen Kette können wir sie auch wieder hervorholen. Ganz allgemein sind unsere Gedächtnis-Inhalte nach Assoziations-Zusammenhängen aufbewahrt. Man kann das unmittelbar erleben, wenn man zum Beispiel in ein Land kommt, dessen Sprache man einmal gelernt, seitdem kaum gebraucht und scheinbar wieder »vergessen« hat; zuerst stottert man sich zurecht, aber im täglichen Umgang mit dieser Sprache fallen einem allmählich hunderte von Vokabeln ein, als hätten sie nur darauf gewartet, wieder aufgerufen zu werden. Als »Gedächtnisstützen« werden die Assoziationsketten in der »Mnemotechnik« bewußt ausgenutzt. Das geht bis zu den sogenannten Eselsbrücken, Gedächtnishilfen nach Art der Kalauer. Aber das planmäßige Lernen ist auch von äußeren Bedingungen abhängig, so von der Zahl der Wiederholungen und deren zeitlicher Verteilung. Eine spezielle Lernpsychologie hat als erster Hermann Ebbinghaus (t 1909) entwickelt. Es zeigte sich, daß es »Gedächtnis-Typen« gibt; den akustischen, der am besten behält, was er hört; den visuellen, der am besten mit dem Gesichtssinn aufnimmt; und den motorischen, der in der Bewegung lernt. Auch kommen spezielle Begabungen für das Behalten von Namen, von Vokabeln, von Zahlen usw. vor. Am dauerhaftesten sind die Erfahrungen und Kenntnisse, die in der Kindheit aufgenommen werden. Die Schnelligkeit der Aufnahme ist am größten im Schulalter. Mit den höheren Lebensjahren nimmt das Ge dächtnis ab, und zwar vor allem das »Kurzzeit-Gedächtnis« für Dinge aus der allernächsten Vergangenheit, während das »Langzeit-Gedächtnis« für alte Erinnerungen eher zu steigen scheint. Hier ist die Leistung also wieder deutlich von Wünschen mitbestimmt. Ihren Einfluß auf die Erinnerung hat lange vor Freud, aber durchaus schon in seinem Sinne, Friedrich Nietzsche bekannt: »Das habe ich getan, sagt mein >GedächtnisSpeicher eines Lebewesens, aus dem es Nachrichten über vergangene Ereignisse gewinnt. Schon sehr niedere Tiere (auch Plattwürmer) haben ein Gedächtnis und können damit lernen. Dabei ist die chemische Grundlage des Gedächtnisses jener der Vererbung ähnlich, also der von Generation zu Generation weitergegebenen Nachrichten (Informationen). Eine Gedächtnisleistung oder eine Erbinformation ist chemisch eine bestimmte Aneinanderlagerung von Eiweißmolekülen (Ribonukleinsäuren). Das Kurzzeitgedächtnis scheint auf elektrischen Vorgängen im Gehirn (in der Art von Schwingkreisen?) zu beruhen. Es kann durch einen Elektroschock oder eine heftige emotionale Erschütterung ausgelöscht werden. Beim Langzeitgedächtnis (ab 24 Stunden) ist das nicht mehr der Fall. Die Gedächtnisleistung des Menschen ist außerordentlich groß, wobei viele Inhalte freilich nicht mehr wiedergegeben (reproduziert), sondern nur wiedererkannt werden können, oder nur in Träumen wiedererscheinen. Die Speicherkapazität des Gehirns läßt weit höhere Gedächtnisleistungen zu, als sie vom Menschen in der Regel erreicht werden.
 
     
 
 
 
     
 
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