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Zahlen

 
     
  erhalten im seelischen Leben einen ganz anderen Wert als in der Mathematik. Sie werden zu Symbolen, sei es durch die Form der Ziffern, sei es durch Grunderfahrungen, die sich mit ihrem Zählwert verbinden. So steht die liegende 8 für unendlich, die 1 für jede aufrechte Gestalt und damit auch für den eregierten Penis. Die Zwei verkörpert das Paar, die Vereinigung und den Gegensatz. Die Drei steht für Vater, Mutter und Kind wie dann für jedes Terzett. Zugleich symbolisiert sie den Penis und die beiden Hoden. Die Zehn ist die höchste gleichsam natürliche Zahl, nach den zehn Fingern, an denen das Kind das Zählen gelernt hat. Die Zwölf erwarb ihre Bedeutung daraus, daß sie durch 2, 3, 4, 6 teilbar ist; aber in unserer Vorstellung hat sie sich von dieser rechnerischen Nützlichkeit gelöst und steht für eine regelmäßige Vollzähligkeit. So haben wir zwölf Monate, zweimal zwölf Stunden, oder wir denken an die zwölf Jünger Jesu. Der Aberglaube, der sich an die Dreizehn knüpft, geht auf die Rechnung 12+1 zurück, bezieht sich also auf eine irgendwie erschreckende Unregelmäßigkeit. Auch die Hälfte von 12 = 6 ergibt + 1 eine magische Zahl. Mit Rechenoperationen will man mystische Geheimnisse erschließen, wie mit der Kabbala, oder die Zukunft ermitteln, wie mit der Astrologie. Selbst psychologische Systeme berufen sich manchmal auf Rechentechniken, so einige der Zwischenstufen-Theorien. Auf diese Weise sucht man Sicherheit zu gewinnen, ohne sie finden zu können, denn auch der mathematische Verstand kann sich in den Dienst des Wunschdenkens stellen. Zahlen, die im Traum vorkommen, lassen sich beinahe nie »nach Adam Riese« oder irgendeiner anderen Rechenfibel verstehen, sondern nur anhand der Assoziationen, die sie auslösen. Spontane Zahleneinfälle lassen sich entsprechend so aufschlüsseln, daß sie sich als Ausdruck wichtiger seelischer Regungen erweisen. Freud erzählt von einem Patienten, dem »in besonders heiterer Stimmung« die Zahl 426718 einfiel. Daraufhin erinnerte er sich an den Witz: »Wenn man einen Schnupfen ärztlich behandelt, dauert er 42 Tage, wenn man ihn aber unbehandelt läßt – 6 Wochen.« Das entsprach »den ersten Ziffern der Zahl 42 = 6 x 7. In der Stockung, die sich bei ihm nach dieser ersten Lösung einstellt«, machte Freud »ihn aufmerksam, daß die von ihm gewählte sechsstellige Zahl alle ersten Ziffern enthalte bis auf die 3 und 5. Nun findet er sofort die Fortsetzung der Deutung. >Wir sind 7 Geschwister, ich der Jüngste. 3 entspricht in der Geschwisterreihe der Schwester A., 5 dem Bruder L., das waren meine Feinde. Ich pflegte als Kind jeden Abend zu Gott zu beten, daß er diese meine beiden Quälgeister aus dem Leben abberufen solle. Es scheint mir nun, daß ich mir hier diesen Wunsch selbst erfülle; 3 und 5, der böse Bruder und die gehaßte Schwester, sind übergangen.– Wenn die Zahl Ihre Geschwisterreihe bedeutet, was soll die 18 am Ende? Sie waren doch nur 7. – >Ich habe oft gedacht, wenn der Vater noch länger gelebt hätte, so wäre ich nicht das jüngste Kind geblieben. Wenn noch 1 gekommen wäre, so wären wir 8 gewesen, und ich hätte ein kleineres Kind hinter mir gehabt, gegen das ich den Älteren gespielt hätte.« – Die erste Assoziation bezieht sich auf den frühen Tod des Vaters; sie »bedeutet den Hohn gegen die Ärzte, die dem Vater nicht hatten helfen können«. Der Zahleneinfall besagte also »auf die kürzeste Formel gebracht: Wenn doch lieber die beiden (Geschwister) gestorben wären anstatt des geliebten Vaters !« Ähnliche Beispiele ließen sich beliebig viele anführen. Und doch müßte man die Methode schon an sich selbst ausprobieren, um die Aussagekraft von Zahleneinfällen glaubhaft zu finden.  
     
 
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