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Verstehen

 
     
   
Verständnis haben, den Sinn erfassen, das Verstehen zwischen Personen, die miteinander kommunizieren (Kommunikation). Damit ist zunächst nicht das Verstehen als “seelischer Vorgang” gemeint, auch nicht das Durchschauen von Wesenheiten, das Dreinblicken in die innere Unzulänglichkeit der Dinge, Personen und Prozesse und auch nicht die Vorhersage und das Erklären psychischer Hintergründigkeiten. Verstanden haben wir jemand, wenn es uns gelingt, mit ihm ins Verhältnis zu treten, sich zu jemandem absichtsvoll und zielgerichtet zu verhalten. Ein Beispiel: Zwei Männer sitzen im Eisenbahnabteil. “Oj”, seufzt der eine. “Ojojojoj”, seufzt der andere. Daraufhin der erste: “Herr, hören wir auf, über Politik zu reden” (Witz). Die beiden verstehen sich offensichtlich. Warum sie sich verstehen, ist unklar.

Es geht um das Erfassen des Sinnes, um “Ein-Verständnis” von Bildern, Geschichten, Figuren und Metaphern – und nicht um die Fixierung auf den genauen Inhalt. Das ist vergleichbar mit dem Anschauen von Bildern. Die sind oft unmittelbar zu verstehen, weil sie den Verstand über das “Herz” erreichen. Wenn jedoch die rationale, monokausale Interpretationsgenauigkeit sich dieser Bilder bemächtigt, entsteht Verwirrung: Man möchte beim Gegenüber jedes Detail genau verstehen und achtet auf die Schlüssigkeit (Logik), der Wortsinn wird genau gedeutet, endlose Frageketten sind die Folge. Das Problem mit solchen Fragen liegt darin, daß sie alle von der Annahme ausgehen, Verstehen sei etwas, was im Kopf des einzelnen auftrete, und das Verstehen des anderen sei durch das Ausloten seiner Subjektivität möglich. Mißverständnissen sind Tür und Tor geöffnet, die Suche danach, was denn nun “die Wahrheit” ist, beginnt. Verstehen kann auch passieren, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Der Wahrheitsgehalt ist dabei nicht wichtig, sondern nur, ob das Gehörte irgendwie in die eigenen Konstruktionen einzuordnen ist.

Die Wahrheit entsteht im Auge oder Ohr des Betrachters oder Hörers. Wenn Menschen über sich, ihre Probleme oder sozialen Wirklichkeiten erzählen, erzählen sie immer Geschichten über die Wirklichkeit, nicht aber die Wirklichkeit selbst (Narration, narrative Identität, Konstruktivismus, sozialer Konstruktivismus). Unterschiedliche Interpretationen von Wirklichkeit sind dabei ganz normal. Wenn man bei dem Bemühen um Verständnis und Verstehen dieser divergierenden Interpretationen, die ja wechselseitig sind, festsitzt oder zu verzweifeln droht, kann man einfach gemeinsam das Thema wechseln und ein neues “Spiel” beginnen, um eine eigene, gemeinsame Wirklichkeit zu kreieren. Dabei sind Humor und die Überzeugung gefragt, daß im “Spiel” des interpersonalen Verstehens fast immer kreative Lösungen auftauchen und die Beteiligung am “Spiel” von allen daran Beteiligten getragen wird – eben nicht nur vom “Experten”, der häufig und gern die Wahrheitsdefinition oder die Deutungsmacht für sich beansprucht.


 
     
 
 
 
     
 
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