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Sozialer Konstruktivismus

 
     
   
untersucht, wie soziale Ordnungen, die dem einzelnen als gesellschaftliche Wirklichkeit gegenübertreten, kollektiv – vor allem über sprachliche Mittel – produziert werden. Grundannahme ist, daß in verschiedenen Diskursgemeinschaften Institutionalisierungs-, Objektivierungs- und Legitimationsprozesse in Gang gesetzt, aufrechterhalten und verändert werden (Konstruktivismus). Als sozialkonstruktivistisch werden Denkweisen benannt, die, sich diffus, aber wirksam verbreitend, die Grundlagen des Realismus sowie des logisch formalisierten Wissenschaftsverständnisses in Frage zu stellen beginnen. Vorbereitet wurde dies durch Untersuchungen zur Geschichte und Soziologie des Wissens (Foucault, Kuhn, Feyerabend), zur Ethnomethodologie (u.a. Geertz) sowie zur sprachphilosophischen Erkenntnislehre (Wittgenstein, C.W. Mills, Derrida, Rorty). In der Psychologie wird meist ein Aufsatz von Gergen (1985) als Eröffnung dieser Herausforderung angesehen. Er entwirft eine Metatheorie mit vier zentralen Thesen: 1) Nicht Erfahrung als solche bestimmt das wissenschaftliche Weltverständnis, das mit seinen Systematiken fälschlicherweise für ein Abbild von externer Wirklichkeit gehalten wird. Sondern 2) es sind historisch-kulturell variable diskursive Praxen, in denen wir uns ein Bild von der Welt und uns selbst herstellen. 3) Das Ausmaß, in dem sich bestimmte Auffassungen durchsetzen oder aufrechterhalten werden, hängt nicht von empirischen Validitäten, sondern von den Wechselfällen sozialer Konventionen und Kommunikationen, u.a. von Rhetoriken, ab. Es ist eine Wende zu einer sozialen Epistemologie angezeigt. 4) Beschreibungen und Erklärungen sind als soziale Handlungen mit anderen Aktivitäten verknüpft.

Auch das Selbst ist relational, die Konstruktion von “Ich’”(sowie des “Man”) ist nur in der prinzipiellen Adressivität von/an “Du” möglich. Zu beachten sind die Veränderungen der Lebensformen, insbesondere die mittels technologischer Entwicklungen ermöglichte Ausweitung der symbolischen Welt – was nicht unabhängig von soziokulturellen und individuellen Ressourcen gesehen werden kann. Diskursive Praxen vollziehen sich sprachlich, demnach ist der Soziale Konstruktivismus häufig mit narratologischen Konzepten verbunden. Konstruktionen gewinnen ihre Bedeutungen im Gebrauch von Sprache und Schrift.

Literatur

Gergen, K. J. (1985). The social constructionist movement in modern psychology. American Psychologist, 40, 266-275


 
     
 
 
 
     
 
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