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Handlung

 
     
   
der wichtigste Begriff einer Psychologie der Tätigkeit. Handlung bezeichnet eine zeitlich in sich geschlossene, auf ein Ziel gerichtete sowie inhaltlich und zeitlich gegliederte Einheit der Tätigkeit, nämlich die kleinste psychologisch relevante Einheit willentlich gesteuerter Tätigkeiten von Individuen, Gruppen und Organisationen. Handlungen grenzen sich von Tätigkeiten durch das bewußte Ziel ab, das die mit der Absicht der Realisierung (Intention) verknüpfte Vorwegnahme des Ergebnisses (Antizipation) darstellt. Jede Handlung ist stets ein psychischer Vorgang, weil sie bewußt, d.h. zielgerichtet, ist und Aufgaben erfüllt. Für Teilhandlungen (Operationen) und die in diesen enthaltenen Bewegungen gilt das nicht. Jede Handlung schließt über die Ziele hinaus auch kognitive Prozesse ein. Sie ist mindestens eine sensumotorische Einheit, in der Regel aber eine Einheit von Wahrnehmen, Urteilen, Behalten, Reproduzieren und motorischem Ausführen (Bewegen). Der Begriff der zielgerichteten Handlung als Einheit der Tätigkeit hebt die strikt trennende Gegenüberstellung von motivationalen (einschließlich emotionalen) und kognitiven (und innerhalb dieser von perzeptiven, intellektuellen und mnestischen) Prozessen sowie von psychischen Prozessen und Repräsentationen sowie Eigenschaften auf.

Ziele sind zentrale Regulationsinstanzen von Handlungen: Arbeitsaufträge werden vom Handelnden bewertet und interpretiert, also nicht kurzerhand übernommen und ausgeführt. An dieser "Redefinition" von Aufträgen zu übernommenen Aufgaben mit Zielen, die man sich zu eigen gemacht hat (self-set goals), sind mehrere Sachverhalte beteiligt: 1) das tatsächliche Verstehen des Auftrags und das Verstehenwollen seiner Einzelforderungen; 2) das Bewerten des Auftrags in bezug auf 3) das Anspruchsniveau der Handelnden (d. h. das Bewerten als den eigenen Leistungsmöglichkeiten angemessen oder als unter- oder überfordernd); 4) die Bedürfnislage und Wertvorstellungen (Werte) des Handelnden. Das Ziel als Vorwegnahme selbstgesetzter und übernommener Aufgaben wirkt in Form des Vorsatzes gleichzeitig als Triebkraft des Handelns. Was zum Handeln veranlaßt, sind die "Anreizwerte" der vorweggenommenen Folgen der voraussichtlichen Ergebnisse eigener Handlungen. Es lenkt das Handeln insbesondere beim Auswählen von Mitteln und Wegen und wirkt als Vergleichsmuster (Efferenzkopie) für die fortlaufende rückkoppelnde Kontrolle des Handelns. Eine gedankliche Antizipation des zu erreichenden Ergebnisses wird durch einen Entschluß zum Vorsatz. Die ausschlaggebende Rolle des Entschlusses beim Übergang vom Wünschen zum Wollen mit dem Aufheben der bis dahin eventuell bestehenden Tätigkeitsspielräume des Handelns wurde von Heckhausen (1983) als das Überschreiten des Rubikon (Rubikon-Modell) bezeichnet. Allein das Denken an das Ergebnis wirkt weder handlungsveranlassend noch handlungsregulierend. Auch das Entscheiden im Sinne des Ausscheidens bestimmter Handlungswege ist noch nicht Entschließen. Das wesentlichste Kennzeichen des Entschlusses ist der praktische Vorsatz, der im Übergang vom Wünschen zum Wollen entsteht: Er setzt die Mittel-Weg-Festlegung und -Entscheidung bei gleichzeitiger Hemmung der übrigen Freiheitsgrade voraus.

Gedächtnisrepräsentationen als regulierende Invarianten haben die entscheidende Funktion für das Ausführen der Handlung: Mit den in ihnen enthaltenen Soll-Werten, z. B. Zielen und Teilzielen, werden die beim Kontrollieren des Ausführens erfaßten Zustände verglichen. Aus dem Aktionsprogrammwerden im Falle des Nichtübereinstimmens von Soll- und Ist-Zustand die erforderlichen weiteren Schritte im Sinne des vorstellungsmäßigen Operierens an einem Gedächtnismodell der Situation abgeleitet. Die wichtigste Gedächtnisrepräsentation ist dabei das Ziel: ohne Ziel keine zielgerichtete Handlungsregulation (Dörner, 1983; Hacker, 1997). Auch in der Handlungsvorbereitung haben Gedächtnisrepräsentationen eine unersetzliche Funktion: Wissen über Eigenschaften der Situation, Hilfsmittel oder Handlungsgegenstände ermöglicht das Erproben von Handlungsprogrammen in der Vorstellung vor ihrem praktischen Einsatz. Weiterhin sind sie die Grundlage für das Auswählen von Aktionsprogrammen, sofern Freiheitsgrade für ein unterschiedliches Vorgehen bestehen. Sie dienen der prognostischen Bewertung der Folgen möglicher Schritte und der Entscheidung für einen Weg. Sogar bereits das Orientieren wird durch die Beschaffenheit dieser Gedächtnisrepräsentationen beeinflußt: Verschiedene Repräsentationen führen zu unterschiedlichen Hypothesen über den zu verändernden Sachverhalt und veranlassen damit unterschiedliche Suchstrategien, die Auswahl verschiedener Informationsquellen und unterschiedliche Verarbeitungsweisen.

Literatur

Dörner, D. (1983). Kognitive Prozesse und die Organisation des Handelns. In W. Hacker, W. Volpert & M. Cranach von (Hrsg.), Kognitive und motivationale Aspekte der Handlung (S. 26-37). Bern: Huber.

Hacker, W. (1997). Allgemeine Arbeitspsychologie - Psychische Regulation von Arbeitstätigkeiten. Bern: Huber.

Heckhausen, H. (1983). Motivationsmodelle: Fortschreitende Entfaltung und unbehobene Mängel. In W. Hacker, W. Volpert & M. Cranach von (Hrsg.), Kognitive und motivationale Aspekte der Handlung (S. 9-17). Bern: Huber.


 
     
 
 
 
     
 
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