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Rhetorik

 
     
   
Lehre von der Ästhetik und der Überzeugungswirkung der Rede, als Fachdisziplin seit der Antike etabliert und mit wechselvoller Geschichte ihrer Inhalte und gesellschaftspolitischen Bedeutung. Gesellschaftspolitisch befand sich die Rhetorik seit ihren Anfängen – in Abhängigkeit von den jeweils herrschenden politischen Verhältnissen – immer wieder in dem Spannungsfeld zwischen bloßer Schönrednerei, unethischer Manipulation und politischer Aufklärung. Inhaltlich galt die Rhetorik von der Antike bis ins Mittelalter, zusammen mit der Philosophie, der Geometrie und Astronomie als Universalwissenschaft. Beispielsweise wurden in Sammlungen von Musterreden nicht nur Prinzipien des Redeaufbaus, der Stillehre und der Argumentation vermittelt, sondern auch Inhalte der Staatslehre. Zahlreiche Fragestellungen der heutigen Wissenschaften können bis in die antike Rhetorik zurückverfolgt werden: So finden sich z.B. in der Logik und der Hermeneutik Anknüpfungen an das von Aristoteles entwickelte argumentative Schlußverfahren (Hermeneutik, objektive). Die juristische Argumentation gründet auf Prinzipien der antiken Gerichtsrede. Aber auch die psychologische Forschung zu Einstellung und Einstellungswandel weist bemerkenswerte Bezüge zu antiken Überlegungen – zur Systematik der psychologischen Redewirkung – auf.

Folgende aktuelle Theorieansätze mit jeweils eigenem Verständnis der Rhetorik lassen sich unterscheiden: 1) Literaturwissenschaftlich-linguistische Theorien untersuchen die Sprache in der Literatur und verwenden als Instrumente der Analyse insbesondere auch die rhetorische Figuren- und Tropenlehre. 2) Theorien literarischer Rhetorik beziehen sich explizit auf die antike Rhetorik und beschäftigen sich mit der rhetorischen Wirksamkeit von Sprache, einerseits der Sprache in der Literatur und andererseits gesprochener Sprache. Sie gründen sich auf das humanistische Bildungsideal mit seinem gesellschaftspolitischen Anspruch. 3) Theorien der sog. New Rhetoric greifen die Prinzipien und umfangreichen Beispielsammlungen antiker Schlußverfahren auf und entwickeln daraus ein System logisch-rationaler Argumentation für die nach-positivistische Philosophie und die Jurisprudenz. 4) Kommunikationstheoretische Ansätze thematisieren den handlungstheoretischen Rahmen der Rhetorik. Betrachtet wird der Prozeß intersubjektiver Verständigung, der durch überzeugende Argumentation über das Medium Sprache zu dem Ziel gemeinsamer Vernunft führen soll. Aufgabe der Rhetorik ist aus dieser Sicht die Förderung von politischer Aufklärung und Humanität. 5) In den sprechwissenschaftlichen Theorien (Sprechwissenschaft) ist heute der Begriff rhetorische Kommunikation üblich. Das in der Antike gründende Verständnis von Rhetorik als Lehre der Ästhetik und der Überzeugungswirkung monologischer Rede wird gezielt erweitert. Die Bedeutung der verschiedenen Gesprächsarten und der individuellen Gesprächsfähigkeit wird in der rhetorischen Theorie und Praxis berücksichtigt (Kommunikation, Sprecherziehung).

Literatur

Aristoteles (1999). Rhetorik. Stuttgart: Reclam.

Kopperschmidt, J. (1973). Allgemeine Rhetorik. Stuttgart: Kohlhammer.

Perelman, Ch. (1980). Das Reich der Rhetorik. München: Beck.


 
     
 
 
 
     
 
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