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rhetorische Kommunikation

 
     
   
Teilgebiet der Sprechwissenschaft, das sich in Theoriebildung, empirischer Forschung und pädagogischer Praxis mit den individuellen Voraussetzungen und sozialen Kontextbedingungen, der Analyse, Wirkung und Optimierung aller Arten von Rede und Gespräch beschäftigt. Rede als auch Gespräch können grundsätzlich informativer, persuasiver oder situativer Art sein. 1) Individuelle Voraussetzungen betreffen z.B. die Stimmhygiene (Stimme), das Sprechdenken, die Sprechangst und Techniken zur Vorbereitung von Reden oder Diskussionsbeiträgen (Kreativitätstechniken). 2) Soziale Kontextbedingungen können z.B. die Sprache in der Politik (Politische Psychologie) oder die Sprache in der Werbung (Werbepsychologie) sein. 3) Die Rede- und Gesprächsanalyse untersucht u.a. den Redeaufbau, die Gesprächsstruktur (z.B. von Verhandlungen, Beratungen, Besprechungen, Kritikgesprächen), die Argumentation, die Verständlichkeit, Fragetechniken, das Zuhören (non-direktive Gesprächsführung) und Techniken der Moderation. 4) In der Wirkungsanalyse wird z.B. Sprechangst in ihrer Beziehung zu Kommunikationsstörungen betrachtet. 5) Die Optimierung von Rede oder Gespräch kann sich auf die Verbesserung der individuellen Rede, auf das Konfliktmanagement (Konflikt) oder auf den Umgang mit asymmetrischer Kommunikation konzentrieren (Macht).

Der Begriff rhetorische Kommunikation wird seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Sprechwissenschaft verwendet, um die, in der Antike gründende Begrenzung der Rhetorik auf die Lehre von der Ästhetik und der Überzeugungswirkung monologischer Rede zu erweitern und die Bedeutung der verschiedenen Gesprächsarten und der individuellen Gesprächsfähigkeit in der rhetorischen Theorie und Praxis systematisch zu berücksichtigen. Dies hat einen zweifachen Hintergrund: Zum einen hatte die Erfahrung des Mißbrauchs rhetorischer Erkenntnisse von den Nationalsozialisten zum Zwecke übler Demagogie und systematischer Manipulation zu einer Neukonzeption des ethischen Anspruchs des Faches geführt. Die demokratisch-politische Willensbildung und das konstruktive Austragen von Konflikten – um beispielhaft zwei Bereiche zu nennen – sollten durch die Erforschung und Schulung der für die Emanzipation und Kooperationsfähigkeit des Individuums relevanten gesprächsrhetorischen Fähigkeiten gefördert werden. Zum anderen sah sich die angewandte rhetorische Kommunikation mit bedeutenden Änderungen der Kommunikation in der Politik (u.a. durch die Etablierung der demokratisch-politischen Willensbildung und der Mediendemokratie), in der Familie (bedingt durch z.B. die Erhöhung der Ehescheidungsraten) und im Beruf (z.B. durch Änderungen von Führung, Führungsstil und Führungsinstrumenten) konfrontiert. Diese Änderungen führten zu einem großen Bedarf an Forschung aber auch an rhetorischer Schulung, wobei wechselseitige Kommunikation statt monologischer Rede ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte.

Literatur

Allhoff, D.-W. & Allhoff, W. (1994). Rhetorik und Kommunikation. Regensburg: bvs.

Roß, K. (1994). Sprecherziehung statt Rhetorik. Opladen: Westdeutscher Verlag.


 
     
 
 
 
     
 
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