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Macht

 
     
   
die Möglichkeit zu bestimmendem Einfluß auf andere Menschen. Sie kann zurückgehen auf äußere Gewalt, etwa größere Körperkraft oder den Besitz überlegener Waffen. Solche Mittel müssen nicht unmittelbar angewandt werden; sie brauchen oft nur mehr oder weniger sichtbar bereitzuliegen, so daß sie als Strafe eingesetzt werden können, sobald der verlangte Gehorsam verletzt wird. Weniger deutlich wird die Macht, die in der Verfügungsgewalt über lebensnotwendige Güter liegt (wirtschaftliche Macht). Am weitesten entfernt von der Gewalt ist die Macht geistiger Führer, die den Beherrschten das Gefühl vermitteln, daß sie ein inneres Recht auf ihren Vorrang haben. Hier verbindet sich die Macht der Mächtigen mit dem Bedürfnis der anderen, geführt und geschützt zu werden. Äußere Macht läßt sich nicht sehr lange aufrechterhalten ohne eine Art Einverständnis der Beherrschten, die in ihren Führern so etwas wie Väter sehen, die zwar strafen können, aber auch Geborgenheit schaffen. Dann ist die Macht letztlich seelisch begründet. Nahezu rein psychisch ist die Macht des Demagogen, der in einer Masse Gefühle der Angst, der Hoffnung und des Hasses erweckt, um sich ihnen als Retter anzubieten. Das Verlangen nach Macht geht einerseits auf eine Größensucht zurück, wie sie sich schon und gerade beim kleinen Kinde abzeichnet. Dahinter liegt die Erfahrung, daß man gleichsam über sich selbst hinauswachsen, sich also fremde Kräfte dienstbar machen muß, wenn man über die Umwelt siegen will. Die Macht soll gegen Gefahren schützen, die die eigene Person bedrohen. Man glaubt, andere Menschen beherrschen zu müssen, um nicht ihrer Gnade ausgeliefert zu sein. Man wagt nicht, der Geborgenheit zu trauen, die in der Liebe der Mitmenschen liegen könnte, und will statt dessen ihren Gehorsam erzwingen. Erfahrungen der eigenen Schwäche in einem Lebensbereich, zum Beispiel bei der abhängigen Arbeit, sollen durch Machtausübung in einem anderen Bereich, zum Beispiel dem der Familie, ausgeglichen werden. Der Soldat, der seinen Vorgesetzten nahezu hilflos ausgeliefert sein mag, nimmt doch noch teil an der Macht gegenüber der Zivilbevölkerung. Der Untertan sonnt sich im Glanz des Staates, dem er dienen muß. Jeder Anteil an Macht scheint die eigene Person zu vergrößern, und das schmeichelt der Ich-Liebe, dem Narzißmus. Alfred Adler trennte sich von Freud unter anderem deshalb, weil er anders als sein früherer Lehrmeister in dem Machtstreben den wesentlichsten Antrieb des Menschen sah. Er faßte auch die Geschlechter-Beziehung als eine Art Machtkampf auf. Dabei wurde Männlichkeit weitgehend mit Machtausübung, Weiblichkeit mit Unterwerfung gleichgesetzt. Die Unterwerfung des Mannes wurde seinem Anteil an Weiblichkeit, das Machtstreben der Frau ihrem Anteil an Männlichkeit zugeschrieben. Der männliche Protest bei beiden Geschlechtern erscheint so als Protest gegen die Neigung zur Unterwerfung. Aber was sich als Machtstreben äußert, ist tiefer begründet, in der Sehnsucht nach Sicherheit, im narzißtischen Wunsch nach eigener Größe. So sieht die Psychoanalyse das Machtstreben im Kraftfeld zwischen Libido und Aggression (Destruktionstrieb). Als ursprünglicher Trieb kann das Machtverlangen schon deshalb nicht angesehen werden, weil es durchaus nicht alle Menschen bestimmt, während sich das Verlangen nach Liebe und Geborgenheit immer zeigt. Kein Maß der Macht kann ständig und gegen alle Gefahren schützen. Deshalb streben die meisten, die einmal Macht geschmeckt haben, nach immer mehr Macht. Wie bei einem Rauschgift verführt ihr Genuß zu immer größeren Dosen. Dieser Rausch läßt die Grenzen der tatsächlichen Macht verkennen. Sie wird dann nicht nur mißbraucht, sondern auch überzogen. Am Ende fühlt sich der Mächtige wie ein Gott, der alles bewirken und sich alles erlauben kann. Der Machtwahn, die Hybris, verleitet zu Taten, die nicht mehr vollbracht werden können. Gerade die Mächtigsten sind so schließlich gescheitert, am Schicksal wie Alexander der Große, am Freiheitsdurst der anderen wie Caesar, an der Übermacht der herausgeforderten Feinde wie Napoleon oder gar Hitler. Sie sind ihrer wahnhaften Selbstüberschätzung erlegen.
 
     
 
 
 
     
 
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