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Empowerment

 
     
   
solidarische Form der Selbstorganisation, bezieht sich auf einen Prozeß, in dem die Kooperation von durch gleiche oder ähnliche Probleme betroffenen Personen durch ihre Zusammenarbeit zu synergetischen Effekten führt, in dem sich Menschen ermutigt fühlen, ihre eigenen Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, ihre eigenen Kräfte und Kompetenzen zu entdecken und ernst zu nehmen und den Wert selbst erarbeiteter Lösungen schätzen lernen. Das Empowerment-Konzept kommt aus der "Pädagogik der Unterdrückten" (Paulo Freire) und ist in der Psychologie vor allem in der Gemeindepsychologie und Gesundheitspsychologie aufgegriffen und weiterentwickelt worden. .

Die Empowerment-Perspektive knüpft ein Netz von Ideen zu einer neuen Orientierung psychosozialen Handelns mit v.a. folgenden Lernprozessen:

1) Von der Defizit- oder Krankheitsperspektive zur Ressourcen- oder Kompetenzperspektive: Das Wissen um die Stärken der Menschen und der Glaube an ihre Fähigkeiten, in eigener Regie eine lebenswerte Lebenswelt und einen gelingenden Alltag herzustellen, führt mit Notwendigkeit zu einer anderen beruflichen Perspektive als im Falle eines professionellen Szenarios der Hilfebedürftigkeit.

2) Überwindung einer einseitigen Betonung professioneller Lösungskompetenzen und der Orientierung an der Allmacht der Experten, Hinwendung zur partnerschaftlichen Kooperation von Betroffenen und Fachleuten: Nur jene Art von professionellem Angebot kann letztlich wirksam werden, das in das System des Selbst- und Weltverständnisses der KlientInnen integrierbar ist und das persönlich glaubwürdig und überzeugend vermittelt wird. Von Dauer können nur Verände-rungen sein, die den Grundsatz "Hilfe zur Selbsthilfe" realisieren.

3) Überwindung des Erfahrungskomplexes der gelernten Hilflosigkeit (Hilflosigkeit, erlernte) oder Demoralisierung: Die Wirksamkeit professioneller Hilfe wird davon abhängen, ob das Gefühl gefördert werden kann, mehr Kontrolle über die eigenen Lebensbedingungen zu erlangen.

4) Soziale Unterstützung im eigenen sozialen Beziehungsgefüge ist von großer Bedeutung bei der Bewältigung von Krisen, Krankheiten und Behinderungen sowie bei der Formulierung und Realisierung selbstbestimmter Lebensentwürfe. Gerade die Kräfte, die durch die Vernetzung von gleich Betroffenen entstehen können, sind von besonderer Qualität.

5) Von der Unterstellung eines hehren Allgemeinwohl zur Thematisierung von Widersprüchen, Interessenunterschieden und unterschiedlichen Bedürfnissen: Hierzu gehören auch Themen wie die Janusköpfigkeit von Hilfe und Kontrolle in allen Formen psychosozialen Handelns; die Analyse unerwünschter Nebenfolgen "fürsorglicher Belagerung" und ihrer institutionellen Eigenlogiken und schließlich auch die Anerkennung unterschiedlicher und teilweise widersprüchlicher Interessen von KlientInnen und Professionellen.

6) Einsicht in die Dialektik von Rechten und Bedürftigkeiten: Die klassische wohlfahrtstaatliche Philosophie war ausschließlich von einer Definition von Bedürftigkeiten und auf sie bezogener sozialstaatlicher Hilfe- oder Präventionsprogrammen bestimmt. Die meisten Therapie- und Präventionsprogramme (Psychotherapie, Prävention) gehen - in aller Regel mit guten und nachvollziehbaren Gründen - von einer Annahme spezifischer Defizite und Bedürftigkeiten aus, die im wohlverstandenen Interesse der Betroffenen verhindert, kompensiert oder verändert werden sollen. Rappaport bringt die beiden Sichtweisen auf die Formel von "Kinder in Not" oder "Bürger mit Rechten". Es handelt sich nicht um Entweder-oder-Perspektiven, sie müssen in dem Spannungsverhältnis, in dem sie zueinanderstehen, erhalten bleiben: "Rechte ohne Ressourcen zu besitzen, ist ein grausamer Scherz".

Literatur

Stark, W. (1996). Empowerment. Neue Handlungskompetenzen in der psychosozialen Praxis. Freiburg: Lambertus.


 
     
 
 
 
     
 
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