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soziale Unterstützung

 
     
   
ein Konzept, dem wachsendes Interesse entgegengebracht wird und das eng mit der Konjunktur der Netzwerkforschung (soziale Netzwerke) verbunden ist. Häufig werden Netzwerk- und Unterstützungsforschung als ein gemeinsames Forschungsrevier präsentiert. Es macht aber durchaus Sinn, sie zu trennen, denn die Frage nach den Unterstützungsressourcen eines Netzwerkes eröffnet nicht das gesamte Feld von Problemstellungen, die sich auf soziale Beziehungsmuster beziehen können. Es thematisiert die positiven Hilfedimensionen (von der emotionalen über die kognitiven bis zur instrumentellen Unterstützung) und vernachlässigt die destruktiven Dimensionen, die in einem Netzwerk auch enthalten sein können (z.B. soziale Kontrolle, Verhinderung eigenwilliger Lebensentwürfe).

Die Unterstützungsforschung hat ein breites Forschungsfeld eröffnet, an dem sich vor allem die Gesundheits-, Klinische und Sozialpsychologie beteiligt haben. Sie untersucht: 1) die Quellen von Alltagssolidarität, die in spezifischen Lebenswelten vorhanden sind; 2) die Passung zwischen Problemlagen und den alltagsweltlich angebotenen Bewältigungshilfen; 3) die Unterstützungsressourcen beruflicher Settings (z.B. das Taxi, der Friseursalon oder die Kneipe); 4) die Hilfequalität in den unterschiedlichen Selbsthilfeinitiativen; 5) das Verhältnis von lebensweltlichen zu professionellen Unterstützungsleistungen; 6) die ambivalenten Effekte sozialstaatlicher Unterstützungsleistungen; 7) ein breites inhaltliches Problemspektrum, mit besonderer Priorität: Gesundheitliche Probleme, Verlusterfahrungen (vom Tod wichtiger Personen bis zum Verlust des Arbeitsplatzes) und kritische Stadien des Lebenslaufs (s. Abb.); 8) die Potentiale ehrenamtlichen oder bürgerschaftlichen Engagements.

Das spezielle Interesse, das die Unterstützungsforschung in den 80er und 90er Jahren gefunden hat, läßt sich in einen Zusammenhang bringen mit der Krise der wohlfahrtsstaatlichen Programme. Diese Krise hat einen fiskalpolitischen Aspekt, der die Grenzen der Finanzierbarkeit sozialer Sicherungsleistungen betrifft. Er hat aber auch einen zivilgesellschaftlichen Aspekt, der auf die Aktivierung bürgerschaftlicher Potentiale verweist. Im Zusammenhang mit diesem zweiten Aspekt wird in den entwickelten Industriegesellschaften über die Entstehung oder auch die Erosion des ”sozialen Kapitals” im Zeichen zunehmender Individualisierung diskutiert (Ressourcen, Kommunitarismus) und es wird nach Möglichkeiten der systematischen Förderung von gesellschaftlichen Solidaritätspotentialen gefragt (z.B. in Form von Selbsthilfezentren oder Freiwilligenagenturen).

Literatur

Röhrle, B. (1994). Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
 
     
 
 
 
     
 
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