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Lernen

 
     
   
der Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Die wichtigste Methode ist wohl das Lernen durch »Versuch und Irrtum«, das heißt, eine Erprobung bestimmter Handlungen, die wiederholt werden, wenn sie zum Erfolg geführt haben, oder die unterlassen bzw. abgeändert werden, wenn das Ziel nicht erreicht wurde oder sogar ein Schaden eingetreten ist. Diese Art des Lernens vermischt sich oft mit der Methode der Nachahmung. Aber wenn ein Kind tut, was es Erwachsene tun sieht, folgt es dabei nicht nur dem Beispiel Erfahreneren, sondern es nimmt zugleich ein Verhalten an, das ihm Anerkennung und Liebe einzubringen verspricht. Umgekehrt fürchtet es Liebesentzug oder Strafe, wenn es sich nicht »richtig« verhält. Ähnlich geht es in größeren Gemeinschaften darum, sich durch Anpassung an ihr Beispiel deren Schutz zu sichern, oder aber mit einer Abweichung die Verstoßung zu riskieren. Dies ist im wesentlichen das Prinzip des »sozialen Lernens«. Sowohl die Methode von »Versuch und Irrtum« als auch das Lernen am Beispiel der anderen, deren Zuwendung man sucht, oder deren Abwendung und Gegnerschaft man fürchtet, werden letzten Endes vom Lustprinzip gesteuert: man will Befriedigung erreichen und Unlust vermeiden. Das Realitätsprinzip, also das Bemühen, die Wirklichkeit zu erkennen und sie so besser zu meistern, gewinnt Oberhand erst mit dem planmäßigen Lernen. Es geschieht oft durch Übung: Bestimmte Handlungen werden so oft wiederholt, bis sie gleichsam von selbst ablaufen, sodaß man sich dann auch an schwierigen Verrichtungen versuchen kann, die nach einer neuen Reihe von Wiederholungen ebenso zur Gewohnheit werden können. Einzelkenntnisse werden ähnlich erworben: Beispiele dafür sind das »Pauken« von Daten, Namen oder Fremdsprachen-Vokabeln in der Schule. Die Schwierigkeiten dieses Lernens beginnen dort, wo sich entweder kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Lerninhalten herstellen läßt, oder wo sich keine gefühlsgemäße Beziehung zu ihnen ergibt. Man behält am besten, was sich in einer Kette von Assoziationen einreihen läßt, oder was neben dem sachlichen Gehalt auch irgendeine seelische Bedeutung hat. Lernschwierigkeiten von Schulkindern gehen oft darauf zurück, daß ihnen nicht einsichtig gemacht wird, was der Lehrstoff sie eigentlich angehen soll, oder gar darauf, daß sie das Pensum ablehnen, weil sie den Lehrer ablehnen. Dann hilft es wenig, wenn sie bewußt lernen wollen, solange sich ihr Unbewußtes dagegen sträubt. Bei vielen Erwachsenen läßt sich noch Jahrzehnte nach dem Schulabschluß eine stark gefühlsbetonte Ablehnung gewisser Bereiche (Mathematik, klassische Literatur, Turnen oder was immer) feststellen, die auf die lieblosen oder gar liebesfeindlichen Drillmethoden ihrer einstigen Lehrer zurückgeht. Umgekehrt kann man bei der Liebe zu einem erlernten Beruf fast sicher sein, daß sie von verehrten Vorbildern eingepflanzt worden ist. Die wohl höchste Form des Lernens beruht auf Erfahrung. Sie setzt eine Offenheit für neue Erprobungen und eine Freiheit von Vorurteilen voraus. Sie erfordert den immer neuen Versuch, die Einzelerkenntnisse in einen Zusammenhang zu bringen. Sie ist abhängig von einer wachsenden Einsicht in die eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Nur wer sich selbst kennt, vermag zu unterscheiden zwischen dem, was er tatsächlich aus der Außenwelt wahrnimmt, und dem, was er in sie kraft seiner Wünsche und Ängste hineinsieht.Verhaltcnsändcrungen, die relativ dauerhaft sind und auf Erfahrung beruhen, bezeichnet man als Lernen. Die Lernfähigkeit ist ein wesentliches Merkmal der lebenden Organismen. Bei den höheren Wirbeltieren ist sie am stärksten ausgeprägt und unter diesen wiederum besonders beim Menschen. Es gibt wahrscheinlich kein Teilstück menschlichen Verhaltens, das nicht durch Lernen verändert werden kann. Andererseits ist Lernen kein beliebiges Geschehen: nicht alles kann gelernt werden, und was gelernt wird, bestimmen sehr häufig innere Mechanismen (Trieb, Instinkt, Motiv), die ererbt sind.

Als einfache Lernvorgänge kann man den bedingten Reflex und das Konditionieren auffassen; mit ihnen verwandt ist das Lernen durch Versuch und Irrtum. Sperrt man eine Ratte in einen «Problemkäfig», der sich nur durch den Druck auf einen schwer zu findenden Hebel öffnet, dann kann das Tier ihn in der Regel nach einer langen Reihe vergeblicher Zufallsbewegungen öffnen. Der erfolgreiche Versuch wird immer rascher gelingen, weil die Irrtümer nicht verstärkt (Bekräftigung) werden; so ist problemlösendes Verhalten auch ohne Einsicht möglich.

Für die menschliche Sozialisation wichtig ist das beiläufige Lernen. Im Gegensatz zum zielgerichteten, als solches beabsichtigten Lernen werden hier Inhalte aufgenommen, ohne daß es bewußt gewollt wird. Im Alltag ist diese Form des Lernens weiter verbreitet als das zielgerichtete Lernen; es baut einen großen Teil der jeder Kultur eigenen «Selbstverständlichkeiten» auf.
 
     
 
 
 
     
 
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