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Reaktion

 
     
   
»Rückwirkung«, hier: die Erwiderung eines Organismus auf einen Reiz. Es kann sich um eine physiologisch vorgeformte, gleichsam automatische Rückwirkung handeln, wie beim »unbedingten Reflex«. Er kann sich durch bestimmte Erfahrungen mit einem erlernten, »bedingten Reflex« verkoppeln. Der Behaviorismus sieht die Formen des Verhaltens vor allem als Reaktionen auf die Anforderungen der mitmenschlichen Umwelt, also als Ergebnis einer Anpassung. Die Zeitspanne zwischen Reiz und Reaktion ist unterschiedlich je nach Temperament oder Charakter. Sie verlängert sich bei zusammengesetzten Reizkonstellationen oder wenn eine gewisse Überlegung dazwischengeschaltet werden muß, ein Denken als Probehandeln. Eine Verzögerung tritt aber auch ein, wenn durch den Reiz Konflikte angesprochen werden, die sonst ins Unbewußtev erdrängt sind. Dieser Zusammenhang ist die Grundlage der Assoziations-Experimente, die von C. G. Jung und Ernst Bleuler entwickelt worden sind. Hier offenbart sich, daß die Reaktion eben nicht hauptsächlich von der Art des Reizes abhängt, wie es die ältere Psychologie annahm und der Behaviorismus noch immer lehrt, sondern wesentlich mitbestimmt wird durch die besondere psychische Verfassung dessen, der da reagiert. Die Art der Reaktion kann durch eine Reihe gleichartiger Erfahrungen festgelegt sein. Das gilt besonders für die Abwehrvon Reizen, die von innen her, aus dem Triebleben kommen. Triebregungen, die den Ansprüchen der Umwelt zuwiderlaufen, der gelernten und im Über-Ich verinnerlichten Moral entgegenstehen und damit auch dem eigenen Ich-Ideal widersprechen, sind verdrängt worden. Aber diese Verdrängung kann nur aufrechterhalten werden durch eine »Reaktionsbildung«, die durch eine Überbetonung der entgegengesetzten Tendenzen gekennzeichnet ist. So wird etwa eine sadistische Anlage durch Mitleid überdeckt, eine Neigung zu analer Lust in Sauberkeitseifer und Pedanterie umgekehrt, eine erotische Schaulust (Voyeurismus) durch Prüderie geleugnet. Ein Reiz, d. h. eine Anforderung, kann auch durch einen Mangel entstehen, der irgendwie abgeschützt werden soll. Dies vor allem ist mit dem Begriff »Überkompensation« aus der Psychologie Alfred Adlers gemeint. Auch hierin steckt die Erfahrung, daß Reaktionen stärker ausfallen, als es dem Reiz unmittelbar entspricht. Die Überreaktion kann einen neuen Reiz bedeuten, der dann durch eine Reaktion in der Gegenrichtung beantwortet wird.
 
     
 
 
 
     
 
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