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Konflikt

 
     
 
der Widerstreit zwischen verschiedenen Motiven und Wertvorstellungen. Je nach der Situation wird die Entscheidung anders ausfallen. Manchmal scheint sie durch die Moral oder durch eine der Rollen, die wir in zwischenmenschlichen Verhältnissen zu spielen haben, vorgegeben zu sein. Man hat Systeme zu entwickeln versucht, die für alle denkbaren Situationen Vorschriften enthalten. In Wahrheit kamen sie nie ohne Widersprüche und Unsicherheiten aus. So wird etwa die Moral, an die sich ein Bürger im Frieden halten soll, für den Soldaten im Krieg beinahe umgekehrt. Ein junger Mann hat sich als Liebhaber anders zu benehmen als ein paar Jahre später in der Ehe. Der Ehemann wieder gibt sich anders als Vater, als Mitarbeiter eines Betriebes, als Mitglied eines Vereins: es kommt zu Rollen-Konflikten. Die Toleranz mag zur Untugend werden gegenüber dem Verbrechen, der Mut zur Selbstzerstörung gegenüber einer hoffnungslosen Übermacht; und dann wieder wird Prinzipientreue zur Engherzigkeit und Vorsicht zur Feigheit. Werden wir in Grenzsituationen gestellt, helfen uns überhaupt keine Richtlinien mehr. Die Bereitschaft, uns einem Konflikt zu stellen, gehört zur Reife des Menschen.Bestehen von zwei einander widersprechenden seelischen Motiven zur gleichen Zeit. Ein Kind, das von der Mutter bestraft wird, gerät in folgenden Konflikt: Wegen der Schmerzen, welche die Strafe auslöst, haßt es die Mutter und will gegen sie aggressiv sein; weil es gleichzeitig von der Mutter abhängig ist und sich ihre Liebe unbedingt erhalten muß, kann dieser Haß nicht ausgedrückt werden. Dieser Konflikt wird in der Kindheit meist durch Verdrängung gelöst. Der Haß verschwindet aus dem Bewußtsein, wird aber nicht unwirksam, sondern kann zum Beispiel dazu führen, daß das Kind die Mutter heimlich bestiehlt (Ersatzbefriedigung), einer alten Dame in der Nachbarschaft ein Fenster einwirft (Verschiebung) oder als Erwachsener gerne frauenfeindliche Schriftsteller zitiert.

K. Lewin (Gruppendynamik, Ge-staltpsychologic) hat verschiedene Formen von Konflikten unterschieden: 1. Zwei an sich wünschenswerte Ziele widersprechen sich insofern, als man nur eines davon erreichen kann (Annähe-rungs-Annäherungs-Konflikt, etwa: «Sollen wir morgen auf einen Berg steigen oder ins Schwimmbad gehen?» -«Soll ich Ilse oder Ulrike heiraten?»). 2. Um ein Motiv zu befriedigen, muß etwas Unlustvolles in Kauf genommen werden (Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt, etwa: «Soll ich mir jetzt das teure Auto kaufen?» - «Soll ich in die Spielbank gehen ?»). Das Auto wird gewünscht, der teure Preis verabscheut; in der Spielbank wird der Gewinn gewünscht, ein Verlust befürchtet. 3. Es besteht eine Wahl zwischen zwei unlustvollen Situationen (Vcrmcidungs-Vermeidungs-Konflikt, etwa: «Soll ich heute in die Schule gehen oder mich krank stellen und im Bett bleiben?» -«Soll ich jetzt den Zug verpassen oder eine Polizeistrafe wegen überhöhter Geschwindigkeit in Kauf nehmen?»). Diese Einteilung berücksichtigt nicht, daß Konflikte auch zwischen bewußten und unbewußten Anteilen der Persönlichkeit möglich sind (Psychoanalyse). Die Aufklärung früherer und gegenwärtiger Konflikte ist eine wichtige Aufgabe jeder Form von Psychotherapie, wobei es darum geht, die schädlichen Folgen einer Konfliktbewältigung durch Verdrängung rückgängig zu machen und reifere Formen des Umgangs mit Konflikten zu entwickeln. Wenn das eingangs geschilderte Kind, das an einem unbewußten Haß gegen die eigene Mutter leidet und diesen auf andere Frauen überträgt (Übertragung), als Erwachsener, nach zwei gescheiterten Ehen, in einer Psychoanalyse den ursprünglichen Konflikt in der Beziehung zu seiner strafenden Mutter wiedererlebt, dann hat er auch eine Möglichkeit, künftige Wiederholungen dieses Konfliktes und seiner Folgeerscheinungen zu vermeiden.
 
     
 
 
     
 
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