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Jung

 
     
 
Carl Gustav, 1875-1961, Schweizer Nervenarzt, Psychoanalytiker und Tiefenpsychologe. Jung studierte Medizin in Basel, arbeitete unter E. Bleuler als Psychiater in Zürich, betrieb experimentelle Assoziationsstudien, untersuchte damit sog. Komplexe (Diagnostische Assoziationsstudien, 1906) und wandte sich der Psychoanalyse S. Freuds zu, den er 1907 aufsuchte. Freud sah in Jung den Apostel, der seine Lehre in die Ökumene tragen konnte, und machte ihn 1911 zum Präsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Bereits 1913 trennten sich ihre Wege schismatisch (S. Freud, C. G. Jung, Briefwechsel, 1974). Eine der Lehrdivergenzen betraf die Natur der Libido, der Triebenergie, deren ausschließlich sexuelle Auffassung Jung verwarf. Er entwickelte seine eigene Lehre und eine damit verknüpfte therapeutische Praxis, die er einfach Analytische Psychologie nannte. In Wandlungen und Symbole der Libido (1911/1912) definierte er libido als allgemeine seelische Energie und führte den Begriff Imago für einen schematischen Erfahrungsniederschlag ein. Neben dem persönlichen Unbewußten postulierte er ein vererbtes kollektives Unbewußtes, das Erfahrungen der Phylogenese des Menschen in kollektive imagines oder Archetypen kondensiert enthält. Mit Psychologische Typen (1921) verfaßte er die wohl bekannteste Darstellung seiner Lehre, führte die Ausdrücke Introversion und Extraversion ein und stellte sein auf Archetypen und polaren Gegensätzen fußendes Modell der Persönlichkeit vor, das erheblich auf die Differentielle Psychologie (H.-J. Eysenck) einwirkte. Mit dem kollektiven Unbewußten und seinen Archetypen entstand ein Werkzeug, das Jung zur Deutung unterschiedlichster psychischer, gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Erscheinungen einsetzte. Seine Deutungsfreude in so unterschiedlichen Feldern wie Astrologie, spätantiker Gnosis, mittelalterlicher Alchemie, Tibetanischem Totenbuch oder chinesischem Wurforakel I Ging erscheinen manchem Betrachter als ungehemmt, sein Hang zu Spiritismus und Kollektivgeraune, verbunden mit rassistischen, judenfeindlichen und misogynen Einstellungen, führte ihn in eine während der dreißiger Jahren unübersehbar werdende Nähe zu völkischen Doktrinen, die allerdings dem heute noch vorhandenen weltweiten Einfluß seiner Lehren wenig Abbruch antat.

Literatur

Wehr, G. (1985). Carl Gustav Jung, München: Kösel.

F. McLynn (1997), Carl Gustav Jung, New York: St. Martin’s Press.


 
     
 
 
     
 
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