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Nachbarschaft

 
     
 
in der heutigen westlichen Gesellschaft ein sehr heterogenes Phänomen. Verschiedenen Arten von Nachbarschaften und Nachbarschaftsbeziehungen entwickeln sich aus vielen Einflußgrößen. Bestimmend sind sowohl Merkmale der Umgebung, wie etwa die ökologische Beschaffenheit des Ortes, die Dichte der Besiedlung, die Art der Architektur, die Nähe der einzelnen Wohneinheiten, als auch Eigenschaften der Bewohnerinnen und Bewohner wie etwa Alter, kultureller und finanzieller Hintergrund, Art der Berufstätigkeit oder familiäre Situation. Einziges unveräußerliches Merkmal von Nachbarschaft ist die geographische, die lokale Nähe. Welches Gebiet allerdings – wollte man es in objektiven Distanzen messen – zur Nachbarschaft gehört und welches nicht, ist ebenfalls wieder von mehreren Faktoren abhängig, wie beispielsweise von der Dichte und der Art der Besiedlung. Aus der lokalen Nähe, dem bestimmenden Merkmal von Nachbarschaft, ergeben sich zwei zentrale Bezugspunkte für Sozialbeziehungen unter Nachbarn: soziale Kontrolle und soziale Unterstützung. Nachbarn üben, ob sie es bewußt tun oder nicht, eine Funktion sozialer Kontrolle aus, die die Einhaltung sozialer Normen mitbewirken kann. Wird bei zu großer Nähe die soziale Kontrolle als zu stark empfunden, so kann das Gefühl mangelnder Privatheit entstehen. Vor diesem Hintergrund mag einleuchten, daß Nachbarschaftsbeziehungen oft nur sehr lose Beziehungen sind (weak ties): Wie Befragungen ergaben, meinen viele Menschen, gute Beziehungen zu Nachbarn seien zwar wichtig, sollten aber nicht zu eng sein. Soziale Kontrolle scheint auch mit typischen Nachbarschaftskonflikten im Zusammenhang zu stehen. So sind Probleme in der Nachbarschaft besonders häufig mit Lärm von Nachbarn und Belästigung durch Hunde verbunden. Soziale Unterstützung unter Nachbarn ist eine Tradition, die insbesondere in Zeiten geringer Motiliät von Menschen gewachsen ist. Nachbarschaften galten häufig als Not- und Hilfsgemeinschaften. In veränderter Form ist davon durchaus etwas in der heutigen westlichen Gesellschaft geblieben. Die psychologisch und soziologisch orientierte Netzwerkanalyse hat mit Hilfe empirischer Methoden herausgefunden, daß Nachbarn vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn kleine oder größere Dienstleistungen benötigt werden.

Literatur

Altman, I. & Wandersman, A. (1987). (Eds.). Neighborhood and community environments. New York: Plenum Press.

Melbeck, C. (1993). Nachbarschafts- und Bekanntschaftsbeziehungen. In A. E. Auhagen & M. v. Salisch (Hrsg.), Zwischenmenschliche Beziehungen. Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
     
 
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