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Zeit

 
     
 
der Ablauf des Geschehens. Die Gegenwart hat streng genommen keine Ausdehnung; was eben noch Zukunft war, ist gleich darauf schon Vergangenheit. Die Zeit läßt sich nicht umkehren. Ihr Beginn oder ihr Ende ist im Grunde ebenso unvorstellbar wie die Endlosigkeit. Kleinste Zeiteinheiten werden zwar nicht bewußt wahrgenommen, aber sie brin gen Eindrücke mit sich, deren Einflüsse sich summieren. Die Zeit wird gemessen zunächst an natürlichen Vorgängen, am Lauf der Gestirne, am Zyklus von Ebbe und Flut, am Wechsel der Tages und Jahreszeiten, an der Folge der Generationen, in ihren kleinsten Einheiten am Takt des Atems und des Herzschlags. Heute sind weitgehend längst künstliche Einteilungen entscheidend. Dennoch gibt es Menschen mit einem ackuraten Zeitgefühl, die etwa auch zu einem vorgefaßten Augenblick aus dem Schlaf aufwachen können (»Kopfuhr«). Im allgemeinen aber unterscheidet sich das Erleben der Zeit oft recht wesentlich von ihrem tatsächlichen Ablauf. Ereignislose Abschnitte oder solche des Wartens scheinen sich qualvoll auszudehnen (Langeweile), Stunden voller Aktivität oder gar Glück schrumpfen scheinbar zu Augenblicken zusammen. Erinnerungen an kürzliche Ereignisse können so von neuen Erlebnissen überdeckt sein, daß sie sich auf eine längst vergangene Zeit zu beziehen scheinen. Bilder aus frühen Lebenstagen mögen so klar auftauchen, als seien sie eben erst erlebt worden. Im unbewußten Denken gibt es überhaupt keinen Zeitunterschied. Im Traum etwa werden irgendwie ähnliche Erfahrungen aus weit voneinander entfernten Lebensabschnitten zu einer winzigen Vorstellung verdichtet und verwoben. Hier zeigt sich, daß nichts wirklich vergessen worden ist. In diesen tiefen Regionen der Psyche ist das Alte nicht durch das Neue ersetzt worden, sondern hat sich neben ihm unverändert erhalten.
 
     
 
 
     
 
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