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Geruch

 
     
   
die Sinneswahrnehmung durch die Nase. Riechstoffe haben für viele Tierarten eine große Bedeutung; ihr Geruchssinn leitet sie zur Nahrung und löst ihre sexuellen Funktionen aus. In der Entwicklung des Menschen ist der Geruchssinn wie die anderen Sinne der Nähe (Gefühlund Geschmack) kaum kultiviert worden. Der sinnliche Genuß an Gerüchen ist sogar zu einem großen Teil einem Tabu unterworfen und »verdrängt« worden, so daß manche Gerüche eher Abwehr und Ekel hervorrufen. Das gilt vor allem für den Geruch der Körperausscheidungen, der nahe mit der analen Sexualität zusammenhängt. Auch der Geruch der menschlichen Sexualsekrete gilt im allgemeinen eher als unangenehm. Freud führte diese Entwertung des Geruchssinnes auf jene entscheidende Entwicklungsstufe unserer Art zurück, in der unsere Vorvorfahren mit dem ständigen Aufwärtsgang begannen. Dadurch wurden die Geschlechtsorgane sofort sichtbar, und es entstand die Scham. Mit der Erhebung vom Boden entfernte man sich von den Geruchsspuren, wie Tiere sie hinterlassen. Seither erinnern Körpergerüche unbewußt an die tierische Vergangenheit und werden vom Stolz des Menschen abgelehnt. Die enge Beziehung zwischen Sexualität und Geruchssinn hat sich beim Menschen erhalten, in gewisser Weise sogar verstärkt. Eine Geruchs »Aura«, die wir bewußt kaum wahrnehmen, macht uns einen Men schen sympatisch oder unsympatisch. Einerseits bemüht man sich vielfach, Körpergerüche durch Hygiene zu beseitigen oder zu überdecken. Andererseits setzt man die erotisch stimulierende Wirkung von Düften bewußt ein, indem man Parfüms benutzt, die zum Teil aus den Sexual-Duftstoffen von Tieren hergestellt sind. So gerät die Geruchswahrnehmung in den Bannkreis zwischen Reiz und Verbot, der die menschliche Sexualität so stark eingefärbt hat. Als Sinn der Nähe gehört der Geruchssinn zugleich in einen ganz privaten Bereich, und läßt sich schon deshalb nicht kultivieren. Er entzieht sich ja auch, wie der Geschmack und das Gefühl, der modernen Massenkommunikation. Deshalb und infolge der teilweisen Verdrängung spielen Gerüche in den unbewußten Reaktionen und Erinnerungen eine so große Rolle. Gerüche, die uns neu begegnen, lösen oft Assoziationen an eine Gelegenheit aus, bei der wir sie schon einmal wahrgenommen haben, und vielleicht wissen wir nicht einmal, daß es der Geruch ist, der die Verbindung hergestellt hat. Mancher Eindruck des Deja vue beruht weniger darauf, daß wir etwa ähnliches »schon gesehen«, als darauf, daß wir es »schon gerochen« haben.Der Geruchssinn des Menschen ist im Zug der kulturellen Evolution zunehmend unwichtiger geworden. In den Zivilisationen bemüht man sich sogar, die natürlichen Duftstoffe, die auch der Mensch (zusammen mit dem Schweiß oder im Bereich der Geschlechtsteile) ausscheidet, möglichst auszuschalten. Der Geruchssinn reagiert auf gasförmige, fein verteilte Stoffe in oft erstaunlich geringen Mengen (wobei hier der Mensch gegenüber vielen Tieren sehr unempfindlich ist) und arbeitet offenbar nach einem «stereochemischen» Gesetz, das heißt die Moleküle der Geruchsstoffe lösen dann bestimmte Empfindungen aus, wenn sie räumlich in die Aufnahmeorgane (Rezeptoren) in der Nasenschleimhaut passen.
 
     
 
 
 
     
 
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