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Erinnerung

 
     
   
die »innere« Wiederbelebung früherer Erlebnisse und Erfahrungen. Wir können die Erinnerung bewußt heraufbeschwören, sie kann uns aber auch wider Willen überfallen. Unser Gedächtnis bewahrt die früheren Eindrücke nach scheinbar ganz unsinnigen Maßstäben. Manches wird uns mit fast fotografischer Schärfe wieder bewußt, an manche wichtigen Ereignisse können wir uns nur noch vage erinnern. Sogenannte Deckerinnerungen haben sich vor die wirklich wichtigen Eindrücke geschoben und vertreten sie gleichsam. In manchem an sich belanglosen Erlebnis hat sich eine bestimmte Lebenssituation mit all den Gefühlen, die sie begleiteten, wie in einem Gleichnis ausgedrückt; deshalb bleibt die Erinnerung daran so lebendig, obwohl wir vielfach nicht wissen, was sie eigentlich besagt. Die Erinnerung ist unzuverlässig auch insofern, als sie verschönt. In unserer Sehnsucht nach der Kindheit oder in der Nostalgie, die den »guten alten Zeiten« nachtrauert, vergessen wir all das Schwere, das es damals doch auch gegeben hat. Aber das Unangenehme, das wir vergessen haben, ist nicht wirklich verschwunden. Es ist nur verdrängt und kann sich in unseren Träumen, in Fehlleistungen oder in Symptomen einer Neurose wieder geltend machen. Hier zeigt sich, daß wir auch unbewußte Erinnerungen haben. Manche von ihnen reichen wahrscheinlich über unser eigenes Leben hinaus in die Erfahrungen unserer Voreltern hinein. Dafür sprechen unsere unbewußte, nie erlernte Kenntnis der Symbol-Sprache und andere Kräfte in jenem Bereich, den C. G. Jung das »kollektive Unbewußte« genannt hat. Doch nicht immer erspart uns die bewußte Erinnerung das Wiedererleben leidvoller oder beschämender Erfahrungen. Sie kann sogar das Leiden krasser darstellen, als es seinerzeit empfunden worden ist. Besonders auffallend ist die zwanghafte Erinnerung an ein schreckliches Erlebnis bei den traumatischen Neurosen, die auf einen Unfall oder eine Kriegserfahrung (Granatschock) zurückgehen. In solchen und ähnlichen Fällen soll die Erinnerung wohl dazu dienen, einen Eindruck allmählich zu verarbeiten, der im unmittelbaren Erlebnis nicht bewältigt werden konnte.
 
     
 
 
 
     
 
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