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Anal

 
     
   
auf den After (lateinisch: anus) bezogen. Nach psychoanalytischer Auffassung vollzieht sich die sexuelle Entwicklung des kleinen Kindes in drei Phasen. Das erste Stadium ist oral (auf den Mund bezogen), das zweite »anal-sadistisch«. Der Übergang vollzieht sich allmählich, wird oft gestört, und es kommt zu Regressionen (Rückgriffen) auf die frühere Phase. Das Kleinkind erlebt seine Ausscheidungen als lustvoll. Es ekelt sich noch nicht vor seinen Exkrementen, betrachtet sie vielmehr als sein Eigen, spielt unbefangen mit ihnen. Es wehrt sich gegen die Reinlichkeitserziehung, die es dazu nötigen soll, auf die spontane Lust der Entleerung zu verzichten. Wenn es den Regeln gehorcht, die die Defäkation auf bestimmte Zeiten und einen bestimmten Ort beschränken, folgt es ihnen dem Erzieher »zuliebe«. Es sieht in seiner Ausscheidung ein Geschenk. Aus diesem Zusammenhang stammt die Ähnlichkeit der Gefühle, dem Kot und dem »dreckigen«, aber doch geliebten Geld gegenüber. Allmählich jedoch wird die Lust an der Ausscheidung überhaupt eingedämmt, und die anale Sexualität wird weitgehend verdrängt. Damit wird ein Lustverzicht erzwungen, der oft für alle späteren Triebeinschränkungen beispielhaft ist. Der Druck kann so schädliche Folgen für die seelische Entwicklung haben, daß einige moderne Erzieher fordern, auf die Reinlichkeitsdressur zu verzichten, um dem Kind Frustrationen zu ersparen. Aber in der zivilisierten Umwelt ist die Regelung der Defäkation unentbehrlich, so daß es sich nur darum handeln kann, das Kind liebevoll zur Einsicht zu führen und seine Kraft zum Ertragen von Verzichten zu stärken. Im günstigen Fall werden die analen Tendenzen als Partialtrieb der Sexualität dem Genital-Primat unterstellt, das heißt, sie tragen zur Vorlust in der Geschlechtervereinigung bei. Die Verdrängung der Analität kann zu Neurosen und Charakterverformungen führen. Das anale Interesse kann sich aber auch im Zusammenhang mit der Hemmung anderer Sexualtendenzen übermäßig durchsetzen, etwa als Perversion, so als sexuell betonte Schmutz und Kotliebe (Mysophilie und Koprophilie). Recht verbreitet ist die gelegentliche Freude an Witzen und Zoten, die mit den Ausscheidungen zu tun haben (Skatologie). In diesem Vergnügen erweist sich wiederum die nahe Verwandtschaft der analen mit der im engeren Sinne sexuellen Lust. In der Kindheitsphase, in der die analen Tendenzen so deutlich werden, sind sie eng mit sadistischen Regungen verschwistert. Man spricht von einem Trotz und Kaputtmache-Alter. Auch der Sadomasochismus ist ein Partialtrieb der Sexualität, zugleich aber (nach einem späteren Konzept Freuds) ein Ausdruck des Destruktionstriebes, der sich hier mit dem lebenserhaltenen »Eros« vermengt. Bei Menschen, in deren früher Entwicklung die anale Phase eine besonders große Rolle gespielt hat, formt sich ein Komplex von Eigenschaften, den Freud als »Analcharakter« bezeichnet hat. Infolge von Reaktionsbildungen, sozusagen als Überkompensation, wird die anale Lust umgekehrt. Aber auch die Abwehr, die das Kind der Reinlichkeitserziehung entgegengestellt hat, setzt sich durch. So zeichnet sich der Analcharakter durch große Sauberkeit, Ordnungsliebe bis zur Pedanterie, zugleich jedoch durch Neigung zum Trotz aus.
 
     
 
 
 
     
 
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