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Schlaf

 
     
   
der Zustand der Ruhe, den der Mensch regelmäßig braucht. Ein langfristiger Entzug von Schlaf beeinträchtigt die Gesundheit schwerer als der von Essen und Trinken. Die Aktivität wird fast ausgeschaltet; sogar der Blutdruck und die Tätigkeit von Lungen und Herz sinken. Das Bewußtsein wird entscheidend herabgesetzt. So kommt der Schlaf einem Wiedereintauchen in den Zustand vor der Geburt nahe. Viele Menschen nehmen im Schlaf unwillkürlich die Stellung des Embryos im Mutterleib ein. Zugleich scheint man in ein Nirwana zu versinken, wie es eine der Vorstellungen vom Tode geprägt hat. Da aber der Schlaf weder die körperliche noch die seelische Tätigkeit wirklich aufhebt, und da man aus ihm immer wieder erwacht, ist er auch zum Vorbild der Hoffnungen auf ein Weiterleben nach dem leiblichen Tode geworden. Im Laufe einer Nacht erreicht er verschiedene, wechselnde Stadien der Tiefe. Die tiefsten Phasen sind traumlos. Durch Labor-Experimente hat man festgestellt, daß in einigermaßen regelmäßigen Abständen lebhafte Bewegungen der Augen eintreten (rapid eyes movements); diese »Rem«-Phasen sind stets von Träumen begleitet. Die weitgehende Ausschaltung der äußeren Aktivität und die Herabsetzung des Bewußtseins erlauben das Aufsteigen unbewußter und verdrängter Regungen in die Traumbilder. Sie werden freilich auch von äußeren oder körperlichen Faktoren beeinflußt, die den Schlaf stören könnten, etwa von Hunger, Kälte, Bauchschmerzen, Geräuschen. Der Traum versucht dann, sie so zu verarbeiten, daß der Schlaf fortgesetzt werden kann. Der Traum stellt indes nicht die einzige Beziehung zwischen dem Schlaf und dem übrigen Leben dar. Die Mutter oder Amme, die neben einem kleinen Kind schläft, bleibt ihm noch so weit verbunden, daß sie aufwacht, sobald das Kind weint, obwohl andere, vielleicht stärkere Geräusche sie nicht stören würden (»Ammenschlaf«). Der Mensch, der an seiner Schlafstatt an bestimmte Geräusche gewöhnt ist, etwa das Rollen von Eisenbahnzügen in seiner Nachbarschaft, wäre in seinem Schlaf gestört, sobald diese Geräusche ausbleiben. Dennoch stellt der Schlaf eine so wesentliche Abkehr vom tätigen Leben dar, daß es vielen Menschen und in vielen Situationen schwerfällt, sich ihm hinzugeben. Gerade heute verlangen die Anforderungen des Tages eine so hohe Anspannung, daß die Entspannung zum Problem wird. Sie läßt sich nicht willentlich herstellen; die bewußte Bemühung zum Schlaf könnte ihn eher verscheuchen. Man kann nur die Bedingungen schaffen, die das Einschlafen erleichtern. Diese Bedingungen sind sehr individuell. Die meisten Menschen haben ein ganz bestimmtes Schlaf-Zeremoniell, das etwa die Lage des Kissens, der Decke, die Stellung des Bettes, den Grad zwischen Licht und Dunkel, die Einschlaf-Position oder sogar stereotype Einschlaf-Gedanken betrifft. Solche Schlafbedingungen erinnern an die Liebesbedingungen, die so oft die Voraussetzung für einen Liebesvollzug sind. In beiden Bereichen geht es darum, sich »hinzugeben« und »auszuliefern«. Mancher Fall von Schlaflosigkeit ist in der Angst vor dem Aufsteigen unbewußter Inhalte im Traum begründet. Mit Hilfe von Schlafmitteln findet man nicht die gleiche Erholung wie im natürlichen Schlaf. Sie beeinträchtigen auch das Traumleben. Sie führen über die Schwierigkeiten des Einschlafens so leicht hinweg, daß sie alsbald unentbehrlich werden können (vgl. Tablettensucht). Es ist von aktivitätssüchtigen Leuten oft beklagt worden, daß wir ein Drittel unseres Lebens verschlafen. Man sollte ihnen entgegenhalten, daß wir ohne Schlaf die anderen beiden Drittel nicht bestehen könnten.
 
     
 
 
 
     
 
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