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Vorbild

 
     
   
jedes Beispiel, das zur Nachahmung anregt oder die Einschätzung neuer Erfahrungen vorbestimmt. So prägen Vorbilder nicht nur die Ideale, zu denen ein Mensch durch die Erziehung angehalten werden soll. Stärker als alles, was ausdrücklich gelehrt wird, wirkt sich das Verhalten aus, das ein Erzieher tat sächlich zeigt. Unterscheiden sich die Lehren kraß von diesem Verhalten, wird das Vorbild unglaubhaft. Daneben kommt es auf den Erfolg an, den die Regeln und Verhaltensweisen haben. Wichtiger noch ist es, ob ein Beispiel die Befriedigung von Gefühlsbedürfnissen einschließt oder aber sie einschränkt. Das Imago, das vom Verhältnis des Kindes zu seinen Eltern zurückbleibt und als Vorbild für das eigene Verhalten oder für die Geschlechter-Beziehung nachwirkt, stammt aus Erfahrungen der Liebe und des Liebesmangels, der Geborgenheit oder der Schutzlosigkeit. Doch inzwischen hat sich die reale Erinnerung verwischt; aus der widersprüchlichen Erfahrung ist oft eine einseitige Vorstellung geworden. So bedeutet »Vorbild« oft ein »idealtypisches« Maß im Sinne des deutschen Soziologen Max Weber (t 1920), das heißt die Vorstellung von der Ausbildung gewisser Eigenschaften zu einer einseitigen Perfektion, die so nie erreicht wird. Dieses Maß hat mit der Moral nichts zu tun. Es gibt also geradesogut Vorbilder für »den« Verbrecher wie für »den« Heiligen, und beide unterscheiden sich von allem, was in der Realität je vorkommt.
 
     
 
 
 
     
 
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