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Liebe

 
     
   
ist ein in vielen Bedeutungen schillerndes Wort. Der Fromme liebt Gott, der Ästhet das Schöne, die Mutter ihr Kind, der Reiter sein Pferd, der Sammler seine Schätze und der Optimist das Leben schlechthin. »Liebe« kann ein fast beiläufiges Vergnügen bezeichnen: »ich liebe Schokoladenpudding«; und das gleiche Wort kann die äußerste Hingabe bezeichnen. Einerseits versucht man, »Liebe« für die ganz persönlichen Beziehungen zu reservieren und sie als ein Verhältnis zwischen zwei Menschen zu beschreiben, die einander schätzen und füreinander einstehen, und setzt sie so einer bloß körperlich-triebhaften Sexualität wie auch einer genußvoll verfeinerten Erotik entgegen. Andererseits spricht man von »käuflicher Liebe« und stellt so die Liebe in einer persönlich bedeutungslosen Form der vollen Befriedigung doch wieder gleich. Ähnlich bezeichnet die angloamerikanische Formel »make love« sowohl den Flirt, den Austausch von Zärtlichkeiten und die Liebeswerbung wie auch den Geschlechtsakt. Hinter dieser scheinbaren Sprachverwirrung steckt ein guter Sinn: jede Form der Liebe wird von der gleichen Kraft, der Libido, gespeist. Den gleichen Bereich umfaßt in der Sprache der Psychoanalyse das Wort »Sexualität«, das hier also keineswegs nur deren körperlichen Ausdruck bezeichnet. Sonst aber werden »Liebe« und »Sexualität« eher als Gegensätze empfunden. Diese oft unheilvolle Spaltung geht auf die frühkindliche Sexualentwicklung zurück. Im Banne des Inzest-Tabus muß das Kind lernen, die sinnliche Liebe zu Eltern und Geschwistern einzudämmen und an ihre Stelle eine zärtliche Liebe zu setzen. Daraus entsteht vor allem beim Manne die Neigung, die sinnliche Liebe nur dann für erlaubt zu halten, wenn sie einem »erniedrigten Weib« gilt, das er nicht achtet, und die zärtliche Liebe einer Frau zuzuwenden, die er unbewußt nach dem Vorbild (Imago) seiner Mutter gewählt hat. Vergröbert ausgedrückt: er kann nur begehren, wo er nicht liebt, und nur lieben, wo er nicht begehrt. Freud nannte das »die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens«. Bei der Frau äußert sie sich oft derart, daß sie eine Geschlechtsbeziehung vorzieht, die unter einem gewissen Verbot steht, so wie die Liebe des Mädchens zum Vater verboten war. Früher standen die Ehen, die ja dem Muster der elterlichen Ehe folgten, unter einer mehr oder weniger großen Einschränkung der sexuellen Lust. Heute behauptet man vielfach, die Liberalisierung der Sexualtabus habe dieses Problem wesentlich verringert. Der Umfang und die Formen der modernen Prostitution und die Bedeutung des »Sex-Business« (Pornographie) sollten Grund genug zu einiger Skepsis sein. Vor allem aber steht der vermehrten Freiheit zur Anknüpfung sexueller Beziehungen eine neue Art der Unfähigkeit zur Liebe gegenüber. Man wagt kaum, sich in Liebe zu binden oder der Liebe der anderen zu trauen. Wieder sind »Sex« und »Liebe« gespalten. Es erweist sich, daß die Befriedigung der sinnlich-körperlichen Lust nicht dau ernd über einen Mangel an Zugehörigkeit und Geborgenheit hinweghelfen kann.Umgangssprachlicher Ausdruck für eine von freundschaftlichen, zärtlichen oder erotischen Gefühlen getragene Beziehung zwischen zwei Men-j’ sehen.
 
     
 
 
 
     
 
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