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Prostitution

 
     
   
die sexuelle Hingabe an Fremde, vor allem gegen Entgelt. Der gewerbsmäßigen Prostitution ging eine religiöse voraus, die im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitskulten stand, und die Gastprostitution, bei der das Entgelt keine Rolle spielte. Es ist entscheidend dagegen bei vielen Geschlechtsbeziehungen ohne persönliche Bindung, die gemeinhin nicht als Prostitution eingestuft werden, etwa wenn eine Frau einen reichen Mann nur um des Wohllebens willen heiratet, oder wenn eine Schauspielerin sich ihren Aufstieg durch die Betten von Theatergewaltigen bahnt. Neben der gewerbsmäßigen Prostitution im engeren Sinne läuft eine Gelegenheitsprostitution einher, so von Frauen, die sich so etwas hinzuverdienen wollen, oder auch von solchen, die sich dabei Abenteuer versprechen und die Geschenke, die sie erwarten, nicht eigentlich als Entgelt ansehen. Diese Unterschiede sind weitgehend sozial bedingt, und sie sind auch vorbestimmt durch die familiäre Umwelt und das Maß der Liebeszuwendung und Prägung, das dort erfahren oder nicht erfahren worden ist. Die gewerbsmäßige Dirne stammt nahezu immer aus Verhältnissen, in denen keine Liebe, kein Schutz, kein Ansatz zur Selbstachtung geboten worden ist. Sie ist deshalb liebesunfähig, auch in direkt sexueller Bedeutung frigide, außer vielleicht zu ihrem Freund oder Zuhälter. Die sexuell unersättliche Frau, deren Nymphomanie letztlich auch auf Liebesenttäuschung zurückgeht, mag wahllosen Geschlechtsverkehr (Promiskuität) in Formen pflegen, die der Prostitution nahekommen, aber ein regelmäßiges Gewerbe kann sie aus ihrem Hunger nicht machen, ohne daran alsbald zugrunde zu gehen. Die Vorstellung, sich einem fast beliebigen Fremden hinzugeben, der von keinem Gedanken an den Wert der Person gehemmt wäre, wird vielen Frauen manchmal verlockend vorkommen, die sich auf eine derart flüchtige Begegnung nie wirklich einlassen würden. In der Prostitutionsphantasie scheint eine ungezügelte Wildheit, eine totale Aufgabe aller moralischen Hemmungen, ein befreiender Verzicht auf die Vorbehalte des Ich, wohl auch ein denkbarer Beweis für den eigenen Sexualwert durch das Entgelt zu liegen: Reize also, die gegenüber den Beschränkungen in der Wirklichkeit verständlich werden. Es gäbe keine Prostitution, wenn es nicht Frauen gäbe, die sich zur mehr oder weniger wahllosen Hingabe bereit fänden. Es ist zwar richtig, daß oft genug nackte, hoffnungslose Armut in die Prostitution treibt, aber auch die ärmsten Mädchen werden nicht alle Dirnen. Gesellschaftlich gesehen kann die Prostitution als Entlastungs-Institution angesehen werden, als Mängelausgleich für die Beschränkungen durch die Ehe, besonders in einer mongamen Kultur. Sie dient den Männern, die noch keine Ehe eingehen oder kein geregeltes Familienleben aufrecht erhalten können. Die Bedeutung dieser Funktion hat durch die Lockerung der Sexualmoral abgenommen. Die Prostitution dient auch dem Abwechslungsbedürfnis und der Überwindung jener Hemmungen, die oft in einer persönlichen Liebesbeziehung entstehen. Von der Dirne wird vielfach eine Duldung oder Mitwirkung bei von der koitalen Geschlechtsvereinigung abweichenden Formen der Sexualität (Perversionen und Deviationen) erwartet, wie man sie einer anständigen Frau nicht zumuten würde. Man kann ihr Wünsche gestehen, die man in einer persönlichen Beziehung nicht zu äußern wagt. Dies alles scheint sich in der modernen Prostitution eher vermehrt als vermindert zu haben. Obwohl die Prostitution bis zu einem gewissen Grade als Institution reglementiert wurde, ist sie doch nie eigentlich anerkannt worden. So wurde sie in die Nähe der Kriminalität ge drängt (so durch das Zuhälterwesen) und hat bis heute den Charakter des Heimlichen nicht abgestreift. Zweifellos macht eben dies auch einen Teil ihres Reizes aus. Es ist nicht richtig, wenn gesagt wird, der Mann suche bei der Dirne nur die körperlich-sinnliche Lust. An die Prostitution haben sich so viele Vorstellungen von Sünde, von Gefahr, Abenteuer und »Romantik«, von Schmutz oder Luxus, kurz: von dem Außerordentlichen geheftet, daß ihre psychischen Elemente nicht zu verkennen sind.Gewährung sexueller Kontakte gegen materielle Entlohnung. Seit ältesten Zeiten bekannt, hängt die Prostitution von Frauen wahrscheinlich hauptsächlich von der Zahl der unverheirateten Männer und der Stärke der Verbote vorehelicher und außerehelicher Sexualbeziehungen ab. Die «leichten» Mädchen dienen gewissermaßen dazu, ein Ventil für ein zu schwer lastendes Sexualverbot zu schaffen, das im Zuge der Entwicklung zu patriarchalischen und lustfeindlichen Gesellschaften entstanden ist. Sie erlauben es, am Ideal der Tugend und Reinheit der «anständigen» Frauen festzuhalten. Männliche Prostituierte für Homosexuelle sind meist nur gelegentlich aktiv; sie üben ihre Tätigkeit auch seltener aus, denn während die weibliche Prostituierte dafür bezahlt wird, daß ihr Kunde einen Orgasmus hat, hat der männliche Prostituierte fast immer einen eigenen Orgasmus; er ist (entgegen verbreiteten Vorstellungen) meist heterosexuell (bisexuell).
 
     
 
 
 
     
 
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