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Pornographie

 
     
   
gleichsam eine Abart der Kunst mit dem Ziel, sexuelle Gefühle zu erregen. Mit den Mitteln der Literatur, der Bildenden Kunst, des Theaters oder des Films wird eine Erfüllung sexueller Wünsche dargestellt, die sich im wirklichen Leben des Durchschnittsmenschen nicht befriedigen lassen. Hier wird die Sexualität weitgehend aus dem übrigen Leben herausgetrennt. Die Grenzen der männlichen Potenz und der weiblichen Bereitschaft werden ebenso ignoriert wie die Gebote und Tabus der Moral. Es wird fern jeder erfahrbaren Realität ein Paradies der sexuellen Freiheit vorgegaukelt, in dem reine Sexualwesen leben – ohne Charakter, ohne Bindung, ohne bürgerliche Pflichten. Mit den Wunschträumen, die so Gestalt gewinnen, wird ein Teil der Verzichte ausgeglichen, die uns die Kultur auferlegt hat. Das gilt ganz besonders für jene sexuellen Tendenzen, die in der Wirklichkeit am stärksten verpönt sind. Durch diese Ventil-Funktion hat die Pornographie einen sozialen Wert. Meist wird er nur anerkannt, wenn auch ihre Mittel einen künstlerischen Wert an sich haben. Dann liegt freilich eine Sublimierung vor, die von der eigentlich sexuellen Befriedigung wieder wegführt. Oft liegt der Reiz der Pornographie gerade darin, daß sie unverblümt darstellt, was sonst nur verbrämt oder sogar überhaupt nicht ausgedrückt werden darf. Dann unterscheidet sie sich von der Kunst so wie die Zote vom erotischen Witz. Viele Pornographien sind Zeugnisse der seelischen Verfassung ihrer Autoren und speziellen Liebhaber. Sie spiegeln die Komplexe und Hemmungen, die das Triebleben auf eine besondere, enge Bahn gelenkt haben. In ihnen stehen hinter den Wünschen die geheimen Ängste, und die Lust bleibt der Scham und dem Ekel benachbart. Sie sind so voller Widersprüchlichkeiten, daß sie schon deshalb nicht realisiert werden könnten. Ihre Gefahr liegt darin, daß hier die Befriedigung so mühelos ist und ichbezogen bleibt. Sie steht jeder Partnerbeziehung entgegen, die ja nie nur den eigenen Vorstellungen folgen könnte. Die moderne Pornographie ist weniger individuell oder typmäßig geprägt. Sie gehorcht eher einem Massengeschmack und zeigt so, wie viele sexuelle Probleme weithin noch ungelöst sind, so daß eine Ausflucht in vorgeformte Phantasien geboten werden muß. In dem kulturbedingten Wandel der Pornographie ließe sich für die Soziologie und Sozialpsychologie manche Erkenntnis gewinnen. Darin spiegelt sich die Veränderung der realen Lebensverhältnisse zwischen Einengung und Erlaubnis.Darstellung sexuell anstößiger Szenen, wobei die Maßstäbe dessen, was für anstößig (obszön) gehalten wird, starken kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen unterliegen. Die früher verbreitete Ansicht, daß Männer weit mehr als Frauen durch Pornographie sexuell erregt werden, hat sich nicht bestätigt. Schädliche Auswirkungen pornographischer Darstellungen sind nicht nachgewiesen.
 
     
 
 
 
     
 
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