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Variabilität

 
     
   
Veränderlichkeit von Merkmalen. Eine naturwissenschaftlich-nomothetisch orientierte Psychologie geht bevorzugt von der Grundannahme aus, daß sich ihre Erkenntnisgegenstände durch Eigenschaften bzw. Merkmale kennzeichnen lassen. Merkmale bilden die Grundlage vieler deskriptiver und explikativer Konstrukte (z. B. Traittheorien der Persönlichkeit), und man geht davon aus, daß sie grundsätzlich meßbar sind (z. B. Intelligenz). Erkenntnisgegenstände (z. B. Personen) lassen sich auf dieser eigenschaftspsychologischen Basis nach Merkmalen voneinander unterscheiden, d. h. sie weisen eine bestimmte Variabilität auf. Entsprechende Merkmale werden als Variablen bezeichnet. Sie werden im Rahmen jeweiliger Gegenstandstheorien (z. B. Intelligenztheorien) durch Zuordnung sprachlicher Begriffe definiert. Hinsichtlich mathematisch-formaler Modellierung (z.B. Faktorentheorie der Intelligenz: Beschreibung der Variabilität durch lineare Faktorstrukturen) und/oder bei Verwendung experimenteller und mathematisch-statistischer Methodik (Messung, statistische Datenanalyse; Forschungsmethoden) erfolgen entsprechende formale Definitionen (z.B. als latente Zufallsvariable mit zugehöriger Verteilungsfunktion bei probabilistischer Testtheorie).

Ein grundlegendes deskriptives Ziel der Psychologie besteht zunächst in der Objektivierung von Variablen und Variabilität. Unter Rückgriff auf meß- und testtheoretische Konzepte mit zugehörigen konstruktiven Methoden (Skalierung, Testkonstruktion) kann z. B. die Meßbarkeit von Variablen auf einer Intervallskala herbeigeführt werden. Dann lassen sich den Merkmalsträgern (Individuen) einer Stichprobe Meßwerte zuordnen, eine Verteilung läßt sich ermitteln (z. B. Normalverteilung), und die Variabilität der Population läßt sich als Verteilungsparameter über die deskriptive Statistik der Varianz als mittlere quadratische Abweichung aller Werte gegenüber dem Mittelwert abschätzen.

Weiterhin lassen sich auf der Grundlage der Quantifizierbarkeit von individueller Variablenausstattung und Variabilität theoretisch begründete Hypothesen über bestimmte Beziehungen zwischen Variablen untersuchen. So kann z.B. versucht werden, die Variabilität eines erklärungsbedürftigen Verhaltens (z.B. Schulleistung; abhängige Variable) auf bestimmte Merkmale wie Intelligenz, Motivation usw. (unabhängige Variablen) im Sinne von Wirkursachen zurückzuführen. Methodisches Hilfsmittel der statistischen Hypothesenprüfung wäre dann z. B. die Varianzanalyse mit entsprechender Zerlegung der gesamten Variabilität. Hinsichtlich der Quellen der Variabilität würde hier zum Zwecke der inferenzstatistischen Urteilsbildung grundsätzlich zwischen Zufall (Fehlervarianz, Sekundärvarianz) und Systematik (theoretische Begründung der Varianz der Variablen) unterschieden. Bei parametrischen Prüfungsverfahren gilt für die Fehlervarianz die Annahme der Normalverteilung. Die Normalverteilung ist eine sehr häufige (und nicht immer unproblematische) Annahme für die Variabilität psychischer Merkmale, die in der Psychologie untersucht werden.

Insbesondere für Fragestellungen der Differentiellen Psychologie ist es üblich, die gesamte individuelle Variabilität nach interindividuellen Unterschieden (stetige Variable und/oder Typisierung, Klassifikation usw.) und intraindividueller Variation (struktureller Querschnitt und zeitlicher Längsschnitt) zu unterscheiden. Sofern man eine Untersuchung individueller Variabilität mit explikativen Merkmalskonstrukten verbindet, also das Ziel der wissenschaftlichen Erklärung verfolgt, können beispielsweise als Quellen der Variabilität Anlage- und Umweltfaktoren postuliert und entsprechende Varianzzerlegungen unter Berücksichtigung von Interaktionseffekten (Interaktion) vorgenommen werden.

Verschiedene Methoden der Varianzanalyse mit einer oder mehreren abhängigen Variablen und/oder unabhängigen Quellen der Variabilität dienen z.B. der inferenz-statistischen Beurteilung von Hypothesen der allgemeinen experimentellen Psychologie. In der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitsforschung werden z.B. multivariate Methoden wie die Faktorenanalyse eingesetzt, um eine größere Menge kovariierender Merkmale (Korrelationsmatrizen) strukturell und mit reduzierter Dimensionalität zu organisieren und zu beschreiben (z.B. Persönlichkeitsstrukturen im Rahmen von Traittheorien).


 
     
 
 
 
     
 
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