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Intelligenz

 
     
   
die Fähigkeit des Verstandes. Die Möglichkeiten des Verstandes sind angeboren, aber die Höhe der Intelligenz beim erwachsenen Menschen hängt davon ab, wie diese Fähigkeiten herausgefordert und geschult oder ungenutzt geblieben und vielleicht sogar unterdrückt worden sind. Berühmt ist die Behauptung vom »physiologischen Schwachsinn des Weibes«, die P. J. Moebius im Jahre 1900 aufgestellt hat. Freud hielt ihr entgegen, da es den Frauen verboten worden sei, über die Sexualität nachzudenken, sei eben ihr Denkvermögen überhaupt gehemmt worden. je nach Anlage und Entwicklung richtet sich die Intelligenz aus. Traditionell wird die theoretische Intelligenz, die an eine gewisse schulische oder sogar akademische Bildung geknüpft ist, besonders hoch bewertet. Bei musischen Menschen findet sich ein hohes Verständnis für künstlerische Fragen manchmal neben einer scheinbaren Dummheit für abstrakte Probleme und praktische Dinge. Unter ungebildeten Leuten in niederen Schichten begegnet man gelegentlich einer wachen praktischen Intelligenz, mit der ein »Intellektueller« nie konkurrieren könnte. Deshalb ist es schwierig, die absolute Höhe der Intelligenz zu messen und einen Vergleichsmaßstab zu finden. Man hat das mit Hilfe von Intelligenz Tests versucht, denen aber vorgeworfen worden ist, daß sie die bildungsbedingte, »verbale« Intelligenz überbewerten und damit sozial ungerecht messen. Als Maßstab gilt hier der »Intelligenz-Quotient« (I.Q.). Die durchschnittliche Intelligenz wird auf jeder Altersstufe mit 100 angesetzt; die Zahlen darunter sollen eine entsprechende Unterbegabung, die darüber eine Überbegabung anzeigen. Man muß die Intelligenz als ein Mittel ansehen, über das der Mensch verfügt. Dieses Mittel kann in recht verschiedener Weise eingesetzt werden. Zum Beispiel kann die Intelligenz auch dazu dienen, die Wunsch vorstellungen mit Scheingründen zu stützen und so die Einsicht in die Realität abzuwehren. Das geschieht im Umkreis der Glaubenslehren, Ideologien und Überwert-Ideen. Es ist schon sehr viel Scharfsinn darauf verwandt worden, einen Wahn als »Wirklichkeit« darzustellen. Recht alltäglich sind die sogenannten Rationalisierungen, mit denen man für die Befriedigung der Wünsche eine Berechtigung durch die Vernunft oder die Moral findet oder erfindet.Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen und in ihrer Bewältigung die Ich-Funktionen einzusetzen (Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Raumauffassung, Zahlenverständnis). Der Inhalt des Intelligenz-Begriffes ist nicht genau festgelegt; manche Autoren verbinden ihn ausschließlich mit einsichtigem Verhalten (Einsicht), was der Wortgeschichte nach berechtigt ist (lateinisch intellegere = einsehen, verstehen). Die Ausdrücke Intelligenz und Intellekt werden meist gleichbedeutend verwendet; Intelligenz ist eher der Mengen-Aspekt - man kann mehr oder weniger Intelligenz haben -, Intellekt die besondere Denkfähigkeit des Menschen. Einige wichtige Ergebnisse der Intelligenzforschung sind: Es gibt nicht eine Intelligenz schlechthin, sondern viele unterschiedliche Formen von Intelligenzbegabung. Diese lassen sich unter anderem durch Faktorenanalyse der Ergebnisse von Intelligenztests ermitteln, was zu einer Reihe von (widersprüchlichen) Formeln geführt hat. Sie laufen darauf hinaus, daß es eine mehr verbal-theoretisch und eine mehr praktisch ausgerichtete Intelligenz gibt (englische Schule), daß neben einem allgemeinen Intelligenz-Faktor viele besondere Einzelbegabungen nachweisbar sind (Spearman) oder in jeder Intelligenz-Leistung verschiedene Faktoren zusammenwirken , jeweils in unterschiedlicher Stärke: Wortverständnis, Zahlenverständnis, räumliche Orientierung, logisches Verständnis, Geschwindigkeit der Wahrnehmung, Wortflüssigkeit, Gedächtnis (Thur-stone). Diese Faktorenanalysen sind immer in einer bestimmten Weise willkürlich ; sie werden es wohl auch bleiben, da die Zusammenhänge zwischen Intelligenzleistung und Gehirn bisher nur in ganz groben Umrissen bekannt sind.

Intelligenz und Persönlichkeit. Bisher haben sich keine sicheren Zusammenhänge zwischen bestimmten Formen der Intelligenz und anderen Persönlichkeitszügen ergeben, wie Anlagen des Gefühls oder Motive. Doch gibt es auf der Ebene der Intelligenz verschiedene «Stile», während andererseits die Fähigkeiten, mit der Intelligenz etwas im Leben auszurichten, sehr stark mit der Motivation zusammenhängen, das heißt mit den Grundlagen der Intelligenzleistung im Antrieb. Hochintelligente Personen sind häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt beruflich erfolgreich, körperlich gesund und frei von Zeichen seelischer Erkrankungen. Die Anekdoten vom «Streber, der im Leben versagt», oder vom «verrückten Genie» sind offenbar Ausnahmen, die keine Regel bestätigen.

Intelligenz und Schule. Schulnoten sind, grob geschätzt, zur Hälfte durch die Intelligenz bedingt, während die andere Hälfte von anderen Einflüssen (günstigere oder ungünstigere Vorbereitung in der Familie, Stärke des Lernwillens, Motivation oder Vorhandensein neurotischer Hemmungen) bestimmt wird. Daher können auch hochintelligente Schüler schlechte Noten bekommen, während andererseits weniger begabte gute Leistungen bringen. In der Regel aber wird ein intelligenterer Schüler auch bessere Noten haben.

Messung der Intelligenz. Die gebräuchlichen Intelligenztests (Test) verwenden eine «Batterie», das ist eine Zusammenstellung einzelner Testreihen, um durch Vergleich der Einzelleistungen ein Bild über die besonderen Formen der Intelligenzbegabung zu bekommen. Als Maßstab wird meist der Intelligenzquotient, abgekürzt IQ, verwendet, der auf einer «Normalverteilung» (sie entspricht in ihrem Kurvenbild einer Glocke) die Stelle angibt, welche der Getestete innerhalb der gesamten Bevölkerung seines Alters einnimmt. Ein Intelligenzquotient von 100 ist dabei die Norm, also der mittlere und der in der Bevölkerung häufigste Wert. Da die Ergebnisse der meisten Tests nicht ganz genau sind, bewertet man den gesamten Bereich zwischen 90 und HO Punkten im Intelligenzquotienten als «normale» oder «durchschnittliche Intelligenz». Die meisten Intelligenztests messen verschiedene Einzelfähigkeiten (Sprachverständnis, Schlußfolgern, Raumauffassung, mathematisches Verständnis, praktische Fähigkeiten...), damit man beispielsweise für die Beratung (Berufsberatung, Schulbcratung) ein genügend verfeinertes Bild erhält. Die unterschiedlichen Werte der Einzeltests werden dabei in einer Profil-Linie aufgezeichnet. Intelligenztests dienen als Hilfsmittel der Forschung (Erbe/Umwelt-Problem) und der psychologischen Beratung, sind aber noch weit davon entfernt, ein richtiges Bild von den gesamten Begabungen eines Menschen zu vermitteln. Sie vernachlässigen meist die für den Lebenserfolg sehr wichtige Ebene der Kreativität, des schöpferischen Erfindens und der künstlerischen Fähigkeiten. Zudem hängen sie in ihren Ergebnissen stark von der jeweiligen Testsituation, den Motiven des Getesteten und des Testers (der den Prüfling ermutigen und entmutigen kann) ab. Nur innerhalb eines Gesamtbildes der Persönlichkeit, ihrer Vergangenheit, sozialen Situation und möglicherweise vorliegenden neurotischen Hemmungen können sie richtig verstanden werden.
 
     
 
 
 
     
 
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