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Norm

 
     
   
»Richtschnur« und in diesem Sinne sowohl eine Idealvorstellung wie auch ein Durchschnittswert. Einerseits sind Normen also Regeln, die festlegen sollen, was richtig oder falsch, gesund oder krank ist. Sie sollen das Verhalten entweder aller Menschen überhaupt oder aller Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft, einer Schicht, einer Gruppe usw. bestimmen. Manche Normen gelten nur für eines der Geschlechter, nur für eine Altersstufe, oder sogar nur für eine bestimmte Situation. Mit ihnen sind die Rollen-Vorschriften nicht absolut eindeutig vorgeschrieben. Es handelt sich vielmehr um unterschiedlich gefärbte und im einzelnen wandelbare Erwartungen, die aber in Traditionen und religiös oder weltanschaulich begründeten Wertvorstellungen wurzeln. Ein jedes derartiges Normensystem steht in der Gefahr der Erstarrung. Man hält es dann für selbstverständlich; seine Berechtigung wird nicht mehr erörtert, und es kann sich der Veränderung der Verhältnisse nicht mehr anpassen. Es richtet sich nur nach dem Durchschnitt aus und bietet keinen Raum mehr für Sondergruppen oder herausragende Einzelmenschen. Der Durchschnitt wird mit dem Ideal gleichgestellt. Aber eine Gesellschaft, die keinerlei Abweichungen vom Durchschnitt mehr zuließe, würde in eine Art Lethargie verfallen. Tatsächlich gibt es nahezu immer auch Ausnahmeregeln, z. B. Entlastungssitten, oder besondere Rollenvorschriften für Randgruppen wie die Boheme (vgl. auch marginal). In der Psychologie bedeutet »normal« meist soviel wie »gesund«, das heißt: in ausreichendem Maße arbeits-, gemeinschafts-, liebes und genußfähig. Aber eine scharfe Grenze zur Krankheit als einer schwerwiegenden Störung des seelischen Gleichgewichts läßt sich nicht ziehen. In jedem Leben gibt es Schwankungen des Wohlbefindens, der Gemeinschafts-und Leistungsbereitschaft. Die Anforderungen, die an uns gestellt, und die Verzichte, die von uns gefordert werden, sind so groß und so vielfältig, daß wir nicht immer allen entsprechen können. Die Konflikte, die sich daraus ergeben, führen zu Mißstimmungen, zur Nervosität und mannigfaltigen anderen Beeinträchtigungen. Es ist nicht die Art oder die Ursache, sondern das Ausmaß solcher Störun gen, wodurch sie sich von Krankheiten unterscheiden. Die Neigung zu kleinen Fehlleistungen des Alltags würde niemand als krankhaft einschätzen, obwohl sie aus den gleichen Konflikten stammen, die auch Neurosen oder psychosomatische Krankheiten bewirken. Ein Wahn, der eine ganze Gesellschaft ergriffen hat, erscheint allen, die ihn teilen, sogar als durchaus normal. Eine Art individueller Wahn ist jeder Traum, und doch stellt das Träumen im Schlaf eine Entlastung dar, ohne die wir in dem Dilemma zwischen Trieb und Kultur nicht psychisch gesund bleiben könnten. Die Norm ist nur erträglich, wenn sie Ausnahmen einschließt.Wert, dessen Gültigkeit von einer größeren Gruppe der Gesellschaft angenommen wird. In der Psychologie sind zwei Arten von Norm wichtig: die Ideal-Norm und die Durchschnitts-Norm. Vom Standpunkt der Durchschnitts-Norm sind zum Beispiel selbstschädigende Verhaltensweisen wie Zigarettenrauchen und Bewegungsmangel «normal», während sie vom Standpunkt einer Ideal-Norm aus ebensowenig normal sind wie etwa kariesbefallene Zähne, an denen ungefähr 95 Prozent unserer Bevölkerung leiden. Die Antwort auf die Frage «ist das normal» oder «bin ich normal», die der Psychologe so oft hört, setzt also voraus, daß zwischen diesen beiden Normvorstellungen unterschieden wird. Abweichungen von der Durchschnittsnorm werden mit Hilfe der Statistik ermittelt. Begriffe wie «normale Intelligenz», «normale Entwicklung» beziehen sich in der Regel auf die D urchschnitts-Norm.
 
     
 
 
 
     
 
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