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Nervosität

 
     
  allgemeine Reizbarkeit und Unruhe, die oft von körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Zittern, Schweißausbruch, Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden u, dgl. begleitet wird. Besonders häufig wird das vegetative Nervensystem, das gewöhnlich nicht willentlich beeinflußt werden kann, von den seelisch bedingten Störungen in Mitleidenschaft gezogen (vgl. psychosomatisch). Die gesteigerte Reizempfänglichkeit kann auf eine erbliche Anlage zurückgehen. Sie kann aber auch erst in der Kindheit erworben worden sein, zum Beispiel in einer unruhigen, »nervösen« Umgebung oder durch eine verwirrende Fülle von Erfahrungen. Es ist aber nicht immer eine Reizfülle oder eine Überbeanspruchung wie der sogenannte Streß, die nervös machen. Vielmehr geht es oft um Anstrengungen, denen keine genügende Befriedigung folgt. Freud hatte noch unmittelbar sexuelle Versagungen als Ursache der Nervosität angesehen. Hinter ihnen stand aber wohl auch schon ein Mangel an Liebeszuwendung, an Freiheit zur Liebe, an Selbstbestätigung (als Befriedigung des Narzißmus): Versagungen also, die den Menschen von heute noch ebenso tief und vielleicht sogar häufiger treffen als im Zeitalter der Prüderie. Nestbeschmutzer werden Leute genannt, die die eigene Familie, die eigene Gruppe oder das eigene Volk kritisieren. Aber sie beschmutzen nicht das eigene Nest, sondern weisen nur auf den Schmutz hin, der schon da ist. Ihre Genossen haben Angst, Außenseiter könnten den Tadel hören, sodaß die Gruppe als Ganzes nicht mehr so großartig dasteht, wie sie sie selbst sehen wollen, um an dieser scheinbaren Großartigkeit teilhaben zu können. Der Nestbeschmutzer ist eigentlich ein Mensch, der nicht bereit ist, sich vollkommen mit seiner Gruppe zu identifizieren und sie in ihrem gegenwärtigen Zustand fraglos zu akzeptieren. Seine Sünde besteht darin, daß er nachdenkt, wo er nur mitlaufen sollte, und daß er sein Urteil äußert, wo er nur wiederholen sollte, was alle sagen. Mit dem Vorwurf der Nebstbeschmutzung wird der Stolz auf die Gruppe höher gestellt als der Versuch zur Erkenntnis der Realität.  
     
 
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