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Bewusstsein

 
     
   
Der Schritt zum reflektierenden, seine eigenen Funktionen wahrnehmenden Bewußtsein fand in der menschlichen Evolution wahrscheinlich parallel zur Entwicklung einer begrifflichen Sprache statt. Neuere Experimente mit Patienten, bei denen wichtige Verbindungen im Gehirn durch eine Operation zerstört worden waren, haben die bereits von S. Freud geäußerte Vermutung bestätigt, daß die Eigenart des Wachbewußtseins in der Verknüpfung einer Wahrnehmung mit Wortvorstellungen liegt. Patienten, bei denen die Nervenverbindungen im Gehirn zwischen den von dem linken und rechten Auge übermittelten Wahrnehmungen zerschnitten worden waren, konnten ohne weiteres bestimmen, was sie mit dem Auge sahen, dem das Sprachzentrum im Gehirn entspricht (meist dem rechten Auge; das Sprachzentrum liegt in der linken Gehirnhälfte, und die Sehnerven kreuzen sich). Deckte man dieses Auge ab und bot dem anderen Auge ein Bild, dann konnten die Versuchspersonen keine bewußte Wahrnehmung angeben, doch bei besonders affektbesetzten Bildern (etwa dem einer nackten Frau) schilderten die Versuchspersonen «so ein komisches Gefühl» und kicherten, obwohl sie nicht angeben konnten, was sie sahen.

Erst die Forschungen über das Unbewußte haben die Aufgaben des Bewußtseins deutlicher gemacht. Das Bewußtsein gehört zu den Ich-Funktionen, dient also im wesentlichen der Orientierung in der und Anpassung an die Realität. Sein biologischer Wert -der Überlebensvorteil, den es verschafft - liegt darin, daß durch das «Probehandeln» (S. Freud) des Denkens Handlungsmöglichkeiten in der Vorstellung durchgespielt werden können, ohne daß ein ähnlich hoher Grad von Erfolg notwendig ist wie beim realen Handeln (wo eine falsche Aktion unter Umständen lebensgefährlich ist). Auf diese Weise kann ein der jeweiligen Situation möglichst gut angepaßtes Handlungsmodell entworfen werden, das dann in die Tat umgesetzt wird. Hier liegt auch der wesentliche Schritt von der Verhaltenssteuerung durch Instinkte zu der durch bewußte Einsicht. Instinkte ermöglichen angepaßtes Verhalten ohne vorheriges Ausprobieren durch Versuch und Irrtum. Doch können sie nicht den lebensgeschichtlichen Veränderungen der Situation des Individuums gerecht werden, sondern sich nur im allmählichen Prozeß der stammesgeschichtlichen Auslese verändern. Das Bewußtsein entstand in der Evolution zum Menschen wohl deshalb, weil die

Fähigkeit, in einem inneren Abwägen zwischenmenschliche, soziale Beziehungen planend vorwegzunehmen, die kleinen Gruppen der Vormenschen überlebensfähiger machte.
 
     
 
 
 
     
 
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