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Physiologie

 
     
   
die Kunde vom Körpergeschehen. Ein Teil der wissenschaftlichen Psychologie grenzt unmittelbar an die Physiologie. Hier schließt man aus der Konstitution, dem allgemeinen Körperbau, auf den Charakter, bedenkt die Funktionen der Sinnesorgane und die Fehlerquellen der Sinneswahrnehmung, den Einfluß der endokrinen Drüsen (mit innerer Sekret-Absonderung), des Hormon-Haushaltes, die Bedeutung bestimmter Gehirn-Teile, das Geschehen im Nervensystem, besonders soweit es der willentlichen Steuerung normalerweise entzogen ist (vegetativ), die gleichsam automatischen Reflexe und ähnliches. In Erscheinungen wie der sogenannten Konditionierung nach Pawlows Reflex-Forschung, der Yoga-Technik und ihren Abkömmlingen in Meditation und im Autogenen Training, aber auch in der Hysterie und den psychosomatischen Krankheiten wird die ständige Wechselwirkung zwischen Psyche und »Soma«, die Einheit von Leib-Seele unmittelbar deutlich. Das darf auch dann nicht vergessen werden, wenn man sich der Menschenkunde vor allem vom Körper oder aber vor allem von der Seele her nähert. Die physiologische Forschung läßt sich nur von Wissenschaftlern betreiben, die über Laboratorien, Meßinstrumente und statistisch nachprüfbare Methoden verfügen. Sie erlaubt so gut wie keine »praktische« Psychologie, die dem Laien helfen könnte, sich und seine Mitmenschen besser zu verstehen. Ihre Ergebnisse sind allgemeinerer Art und können deshalb kaum Auskunft über die Vielzahl der individuellen Unterschiede und die Wandlungen und wechselnden Verfassungen eines einzelnen Menschen geben. Erst die Tiefenpsychologie hat dieses Ungenügen durch eine Forschung ausgeglichen, die sich auf den seelischen Prozeß konzentriert, in dem die physischen Antriebe geradeso wie die äußeren Eindrücke verarbeitet werden. Freud nahm an, daß die Wissenschaft einmal die »Chemie« der Psyche so entschlüsseln werde, daß sich eine Entsprechung zu den Einsichten der Psychoanalyse ergäbe. Noch aber ist eine solche Brücke nicht geschlagen worden.
 
     
 
 
 
     
 
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