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Psyche

 
     
   
griechisch »Hauch«, »Seele«. Eine Vorstellung von der Seele hat sich gewiß nach dem Atem hauch gebildet, der spürbar, aber nicht faßbar ist. »Psyche« ist aber auch der Name eines Schmetterlings, und das Ausschlüpfen des Falters aus dem Kokon wurde zum Sinnbild der Hoffnung, daß sich die Seele dereinst aus dem Körper zum Leben im Himmel befreien werde. Zu der gedanklichen Trennung im Leib-Seele-Verhältnis trägt die Erfahrung bei, wie sich die Seele im Traum, in der Hypnose und ähnlichen Erscheinungen »auf Reisen begeben« kann, an denen der Körper nicht teilnimmt. Es scheint ja sogar die Möglichkeit einer direkten, unbewußten Kommunikation zu anderen Seelen zu geben (vgl. Parapsychologie). Die Seele wird aber nicht nur in einem Spannungsverhältnis zum Körper, sondern auch zum »Geist«, das heißt zum Verstand (Intelligenz) gesehen. Der Philosoph Ludwig Klages nannte 1929 den Geist den Widersacher der Seele und forderte die Abkehr vom kritischen Bewußtsein. In diesem Sinne gehört zur Seele das Gefühl und der Glauben, zum Geist die Prüfung der äußeren Realität und die Bemühung um Wissen. Die innige Beziehung der Seele zur Liebe im weitesten Sinne stellte die antike Mythologie dar, indem sie die Psyche als Mädchengestalt und als Geliebte des Gottes Eros sah. Im heutigen Sprachgebrauch wird mit dem Fremdwort »Psyche« eine Abgrenzung zu dem religiösen Begriff »Seele« markiert. Für die wissenschaftliche Psychologie ist die Seele an Organe des Körpers, an das Ge hirn, das Nervensystem, die Sinnesorgane usw. gebunden. Sie ist nicht, wie für die Religion, »das Unsterbliche« des Menschen. Dennoch lassen sich die Vorgänge in der Psyche nicht einfach aus der Physiologie ableiten. Sie lassen sich nicht einmal unmittelbar beobachten. So hat der Behaviorismus (Verhaltenspsychologie) den Schluß gezogen, da man darüber nur subjektive Vermutungen äußern könne, dürfe man sich nur an dem augenfälligen Verhalten orientieren. Er ist im Grunde eine Psychologie ohne Psyche. Im Gegensatz dazu faßt die Psychoanalyse das Seelenleben als »Funktion eines Apparates« auf, den man sich nur vorstellen kann, nach einem Denkmodell also, wie es sich aus der intensiven Erschließung der psychischen Vorgänge ergibt. Nach Freuds Worten ist sie ein Apparat, »dem wir räumliche Ausdehnung und Zusammensetzung aus mehreren Stücken zuschreiben, den wir uns also so ähnlich vorstellen wie ein Fernrohr, ein Mikroskop u. dgl.«. Der Vergleich schließt ein, daß es auch beim »seelischen Apparat« etwas gibt, das wie der Brennpunkt eines optischen Instrumentes außerhalb liegt. Die Psyche wird vom Körper gespeist und wirkt auf ihn ein; sie nimmt Mitteilungen aus der Außenwelt auf, deutet sie um oder gibt Anstoß, die Realität zu verändern.
 
     
 
 
 
     
 
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