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Parapsychologie

 
     
   
die Wissenschaft von seelischen Rand oder Grenzerscheinungen (para = »neben«). Sie untersucht zunächst die außersinnlichen Wahrnehmungen (ASW, nach amerikanischem Vorbild auch ESP = Extra sensority perception) wie TelepathieGedankenübertragung«), Hellsehen und Prophetie oder Präkognition ( = Vorauswissen). Bei der Telepathie nimmt man eine Beziehung des Empfängers der Wahrnehmung zu einem bestimmten Menschen als Sender an. Das Hellsehen ist die Wahrnehmung eines fernen Ereignisses, das sich dem Empfänger an sich, ohne bestimmte Vermittler, wie ein Sinneseindruck aufdrängt. Daß es solche Erscheinun gen tatsächlich gibt, läßt sich nach dem heutigen Stande der parapsychologischen Forschung nicht mehr bestreiten. Der Amerikaner J. B. Rhine hat sie mit Experimenten, die gegen Betrug und Selbsttäuschung abgesichert waren, bewiesen und zugleich mit statistischen Methoden jede Erklärung durch bloßen Zufall unmöglich gemacht. Allerdings zeigen diese Labor-Versuche kaum, was hier eigentlich vorgeht. An den unterschiedlichen Erfolgsquoten läßt sich nur ablesen, daß es einige Menschen mit hoher Begabung zur außersinnlichen Wahrnehmung gibt, während andere dazu beinahe unfähig sind, und daß die parapsychische Leistung von dem gefühlsmäßigen Interesse abhängt. Experimente mit sogenannten Sensitiven, wie man heute die »Medien« nennt, zielen deshalb auf die außersinnliche Vermittlung von Gefühlserlebnissen ab. Hier ergibt sich, daß auch solche Gefühlsinhalte telepathisch erfaßt werden können, die dem Sender nicht bewußt sind. Überhaupt scheinen die parapsychischen Fähigkeiten im Unbewußten, in der Tiefenschicht der Seele zu liegen. Vielfach nimmt man an, daß sie dem Instinkt der Tiere verwandt sind. Wahrscheinlich waren sie einmal allen Menschen eigen, sind aber inzwischen durch die Kulturentwicklung bei den meisten Menschen bis zur Unkenntlichkeit überwachsen. Tatsächlich finden sie sich viel häufiger bei den Naturvölkern, in zurückgebliebenen Gegenden (vgl. Land schaft), oder bei intellektuell wenig entwickelten Personen. Die telepathischen oder hellseherischen Aussagen der Sensitiven sind unzuverlässig. Sie können zum Beispiel einen anderen Inhalt betreffen als den, den die Zuhörer erwarten, der aber für das Medium gefühlsmäßig dicht neben dem liegt, nach dem es eigentlich gefragt worden ist. Seelische Störungen verschiedener Art können eine Aussage verfälschen oder verhindern. Der Sensitive kann oft das äußerlich Wichtige nicht von dem Banalen unterscheiden, wenn es für ihn stark gefühlsmäßig eingefärbt ist. Er nimmt unbewußte Vorstellungen eines Senders gerade so auf wie reale Erlebnisse und kann das eine vom anderen nicht immer trennen. Solche Seltsamkeiten haben einst dazu geführt, das man die Eingebungen eines Mediums für Mitteilungen aus der Geisterwelt hielt. Heute wird die Theorie des Spiritismus nicht mehr ernsthaft diskutiert. Was man den Geistern zuschrieb, stammte stets aus dem Seelenleben derer, die an einer spiritistischen Seance teilnahmen (vgl. Animismus, Besessenheit, Dämonen). Die Parapsychologie hat den »Ockultismus« abgelöst, denn sie will ja der wissenschaftlichen Erkenntnis erschließen, was bisher als ockult = dunkel, geheimnisvoll, galt. Mehr noch als die übrige Psychologie leidet die Parapsychologie darunter, daß sich die Erscheinungen, die sie untersuchen will, nicht beliebig hervorrufen und deshalb auch nur sehr begrenzt experimentell nachprüfen lassen. So ist sie zum Teil noch auf Methoden angewiesen, die dem Untersuchungsgebiet nicht ganz gemäß sind. Sie befindet sich noch in einem Stadium, das dem der Psychologie vor Freud entspricht, der ja neue Methoden der Forschung entwickeln mußte, um das Unbewußte erfahrbar zu machen. Bekanntlich wird die Beweiskraft dieser Methoden noch heute angezweifelt, so vor allem vom Behaviorismus, in dem man auf jede Tiefenforschung von vornherein verzichtet. Auf dem Forschungsgebiet der Parapsychologie sind am eindrucksvollsten die Spontanerlebnisse, die sich wiederum nur sehr unzureichend kontrollieren lassen. Bei ihnen muß man stets mit Erinnerungsfälschungen rechnen, die von dem gleichsam religiösen Wunsch nach Beweisen für eine Welt jenseits der bloß materiellen diktiert sind. Die Kraft, die die außersinnlichen Wahrnehmungen trägt, ähnelt tatsächlich keiner der bekannten physikalischen Kräfte. Der naheliegende Vergleich mit elektrischen oder Radio-Wellen führt insofern irre, als die Kraft, die die Parapsychologen »Psi« genannt haben, weder durch Entfernung geschwächt noch durch irgendwelche äußeren Hindernisse beeinträchtigt wird. Sie ließe sich eher mit rein seelischen Kräften vergleichen, wie sie in der Hypnose wirksam werden. Übrigens vermag die hypnotische Trance die parapsychischen Kräfte zu stärken. Das Phänomen der Präkognition scheint zu beweisen, daß für die Kraft »Psi« auch die Zeit keine Rolle spielt. Das Vorauswissen, das »zweite Gesicht«, erfaßt Vorgänge, die noch gar nicht abgelaufen sind. Sie müßten schon irgendwo bereit liegen, gleichsam vorbestimmt sein. Eine derartige Annahme ist mit unserem bisherigen Weltbild unvereinbar. Man sollte sich aber klar sein, daß darin noch kein Gegenbeweis liegt. Wenn es solche Erscheinungen gibt – so selten sie auch sein mögen –, dann müßten wir uns eben unser Weltbild erweitern, wie wir es erweitert haben, seit wir die Elektrizität oder die Atomkraft erforschen und nutzbar machen. Zuviel spricht dafür, daß Präkognition tatsächlich vorkommt, als daß man das Problem dahinter einfach beiseite wischen könnte. Das gilt in einer etwas anderen Weise auch für die Telekinese oder Psychokinese. Dabei geht es um die Bewegung von materiellen Dingen mit rein seelischen Kräften und ohne Berührung. Am auffälligsten sind derartige Erscheinungen in jenem Bereich, in dem man einst »Poltergeister« wirksam sah. Da fallen plötzlich Gegenstände von den Wänden, Geschirr geht auf unerklärliche Weise in Scherben, Möbel werden verrückt und ähnliches mehr. In allen Fällen, die näher untersucht wurden, ließen sich Phänomene auf einen Jugendlichen an der Grenze zwischen Pubertät und Adoleszenz zurückführen. Einmal hat ein junges Mädchen, das in einer Anwaltskanzlei beschäftigt war, offenbar die Zählapparatur der Post für die Telefongespräche aus dem Büro psychisch beeinflußt; eine technische Fehlerquelle war jedenfalls trotz intensiver Bemühungen nicht zu entdecken. Sobald das Mädchen die Kanzlei verlassen hatte, hörten alle diese Erscheinungen auf. Sie scheinen die seelischen Schwierigkeiten des Mädchens ausgedrückt zu haben. Das würde bedeuten, daß psychische Kräfte nicht nur auf andere beseelte Wesen, sondern auch auf tote Dinge einwirken können. Freud hat die Existenz der Telepathie anerkannt. Doch darüber hinaus wollte er nicht gehen, wenn er auch zugab: »Es ist der erste Schritt, der zählt.« Die Parapsychologen berufen sich allerdings lieber auf C. G. Jung, der wegen seiner mystischen Neigungen nicht gerade ein sehr überzeugender Kronzeuge ist. Viele parapsychologische Wissenschaftler schrecken ebenfalls nicht vor der Grenze zur Mystifizierung und zum Aberglauben zurück. Unter ihren heftigsten Gegnern sind einige, deren Überzeugung eine Art umgekehrter Glaube ist, – der Glaube, das nichts existieren könnte, was wir noch nicht verstehen. Natürlich läßt sich nicht leugnen, daß viele vermeintlich parapsychische Phänomene auf Betrug, Scharlatanerie und wunschbestimmter Selbsttäuschung beruhen. Die Verlockung, echte oder scheinbare Vorkommnisse dieser Art als »Beweise« für eine irrationale Welterklärung auszuschlachten, ist allzu groß. Aber es sollte doch einmal möglich sein, auch noch unerklärliche Tatsachen ohne irgendein Vorurteil zu untersuchen, bis man jenseits von Glauben, Wünschen und Fürchten weiß, was es mit ihnen auf sich hat. Heute schon läßt sich aus den Ergebnissen der Parapsychologie schließen, daß die Macht der Seele noch größer ist, als man sie bislang eingeschätzt hat.Untersuchung «paranormaler» seelischer Vorgänge, vor allem von Wahrnehmungen, die nicht auf normalem Wege zustande gekommen sein können (Telepathie, Hellsehen), und von physikalisch nicht erklärbaren Spukerscheinungen. Die Parapsychologie trat 1927 in ein «wissenschaftliches» Stadium ein, als unter Leitung von J.B. Rhine ein parapsychologisches Laboratorium an der Duke-Universität in den USA eingerichtet wurde. Hier wies Rhine die außersinnliche Wahrnehmung mit Hilfe statistischer Verfahren nach, wobei er offenbar das Glück hatte, «gute» Versuchspersonen zu finden. Seine Ergebnisse sind bis heute umstritten, da sie nicht eindeutig wiederholbar waren. Die rätselhafte Eigenschaft «Psi», welche Rhine für die paranormalen Vorgänge verantwortlich machte, hat sich bislang jeder Kontrolle entzogen; ent-’ gegen aufgebauschten Zeitungs- und Buchberichten ist sie auch noch niemals in sinnvoller Weise praktisch verwendet worden. Heute befaßt sich die Parapsychologie wieder mehr mit spontanen Spukerscheinungen und ähnlichen Vorgängen. Sie befindet sich in der widersprüchlichen Situation, daß einerseits das Vorhandensein paranormaler Erscheinungen immer besser und unabweisbarer belegt werden kann, aber andererseits die Aussichten auf eine gezielte, kontrollierbare Verwendung solcher Erscheinungen und der ihnen unterliegenden Kräfte heute geringer denn je erscheinen.
 
     
 
 
 
     
 
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