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Einstellung

 
     
 
(englisch attitude) Bereitschaft, einen Gegenstand in einer besonderen Weise wahrzunehmen und/ oder in einer besonderen Weise auf ihn zu reagieren. Einstellungen werden in der Kindheit und Jugend, seltener im Erwachsenenleben, erworben und sind relativ dauerhaft, da sie sich meist selbst bestätigen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man Einstellungen oft Vorurteile, weil sie häufig eine vorgefaßte Meinung enthalten. Die Selbst-Bestätigung von Einstellungen sieht etwa so aus: Wer eine antisemitische, also eine gegen Juden feindliche Einstellung hat, wird vorwiegend negative Dinge über Juden wahrnehmen, sich mit Menschen treffen, die seine Meinung teilen und ihn darin bestärken; er wird Kontakte mit Juden meiden, die ihn eventuell eines anderen überzeugen könnten. Wenn er doch mit einem Juden zusammenkommt, wird er sich möglicherweise so feindselig oder abweisend benehmen, daß er ebenfalls eine unfreundliche Reaktion auslöst, und darin wiederum eine Bestätigung seiner Einstellung sehen. Aus diesem Netz von Bestätigungen, das Sich-Einstellun-gen-Schaffen, wird auch klar, warum es so schwierig ist, sie zu ändern. Wer etwa seine Einstellung «Polizisten sind Schweine», die er in einer entsprechenden Erziehung (etwa in einem Obdachlosenquartier) erworben hat, ändern soll, der verliert alle Freunde, die mit ihm diese Einstellung teilten und ihn nun für einen Spitzel halten. Gut untersuchte Einstellungskomplexe sind Faschismus, Rassismus und Konservatismus (autoritäre Persönlichkeit). Der ausgeprägt Konservative ist durch starren religiösen Glauben, rechtsgerichtete politische Überzeugung (Nationalismus), Unduldsamkeit gegenüber Minderheiten, Beharren auf strengen Grundsätzen und Strafen, Neigung, Vergnügen als schlecht zu betrachten, und Vorliebe für herkömmliche Kunst, Kleidung und Gesellschaftsformen gekennzeichnet. Der Gegenpol dieser Sammlung von Einstellungen, die den Konservatismus ausmachen, kann als liberale Einstellung beschrieben werden. Einstellungen sind erlernt. Sie können

dadurch entstehen, daß ein Mensch übernimmt, was in seiner Umwelt geglaubt wird (wie «Pferdefleisch ist kein Essen!»). Sie können sich aufgrund der nicht ausgesprochenen Zeichen des Ausdrucks bilden, wenn etwa in einer Familie immer mit einem besonders verächtlichen Ton von «Negern» gesprochen wird. In einigen Fällen haben sie eine unbewußte Bedeutung; die Feindseligkeit gegen Juden beruht manchmal darauf, daß diese ein Blitzableiter für den unbewußten Haß gegen einen autoritären Vater sind (autoritäre Persönlichkeit).

Die Änderung von Einstellungen hängt zunächst einmal von dem Menschen ab, der sich ändern soll. Starre oder aber auch sehr von sich selbst überzeugte Persönlichkeiten werden sich nicht so leicht ändern wie Menschen mit geringer Selbstachtung oder großer geistig-seelischer Offenheit. Zur Veränderung von Einstellungen erweist sich die offene Diskussion und anschließende Urteilsfindung in kleinen Gruppen oft als wirksamer als ein Vortrag eines Fachmanns (Gruppendynamik). Wer in einer Diskussion Einstellungen verändern will, wird am ehesten Erfolg haben, wenn er das erste Wort und das Schlußwort für sich hat, wobei er in seinen Ausführungen beide Seiten der Streitfrage berücksichtigt und die seiner Ansicht nach änderungsbedürftigen Gesichtspunkte einzeln aufführt und widerlegt. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß Einstellungen meist nur schrittweise geändert werden können. Wer sich auf schon vorhandene Einstellungen beruft, wird viel eher eine Veränderung erzielen als ein anderer, der völlig neue Einstellungen begründen will. Dadurch bestärkt er eher die bisher bestehenden Einstellungen.
 
     
 
 
     
 
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