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Gruppendynamik

 
     
   
Lehre von den Kräften (griechisch dynamis), die in Gruppen entstehen und von Gruppen auf deren Mitglieder ausgeübt werden. Der Ausdruck wurde 1936 von K. Lewin geprägt, der damals nachweisen konnte, daß die Besprechung eines Themas in Gruppen mit anschließender Beschlußfassung ein wirksameres Mittel ist, Einstellungen zu verändern, als der Vortrag eines anerkannten Fachmanns. Schon vorher, unabhängig von Lewin, hatten verschiedene Therapeuten Gruppenvorgänge in der Psychotherapie eingesetzt (Gruppentherapie). Einige Gesichtspunkte der Gruppendynamik sind:

1. Wie entstehen Gruppen? Die Passagiere eines Flugzeugs sind noch keine Gruppe, sondern eine reine Menschenansammlung, unter denen einige Untergruppen (wie Ehepaare oder Geschäftspartner) sind. Wenn das Flugzeug notlanden muß, bildet die gemeinsame Aufgabe, zu überleben und einen Ausweg zu finden, sehr rasch eine Gruppe mit einer inneren Ordnung (Struktur), verschiedenen Rollen und einem oder mehreren Führern. Gruppen entstehen durch gemeinsame Aufgaben und Ziele, durch längere Bekanntschaft, durch gefühlsbetonte Wahlen.

2. Was hält Gruppen zusammen? Im Fall der notgelandeten Flugzeugpassagiere die gemeinsame Aufgabe; wenn ein Rettungsflugzeug kommt, verliert die bisherige Gruppe wieder ihre Ordnung. Allgemein schafft das Zusammensein auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Eine Gruppengrenze bildet sich, die das «wir» von «denen da» trennt, und «denen da» meist schlechtere Eigenschaften zuschreibt als dem «wir» (die Parallelklasse ist schon nach den ersten Schulwochen «blöd», obwohl sich die «nicht blöden» Mitglieder der A-Klasse erst seit einigen Tagen kennen).

3. Was schafft Zusammenhalt zwischen feindlichen Untergruppen? Eine gemeinsame Aufgabe, eine gemeinsame Gefahr, kurz jedes übergreifende Ziel, das die Wettbewerbssituation unterbricht.

4. Die Übereinstimmung in einer Gruppe ist ein sehr mächtiges seelisches Druckmittel zur Überzeugung des einzelnen Mitglieds, das eine abweichende Ansicht hat. Diesen Einfluß machen sich die Gruppentherapie, aber auch die politische Belehrung und die religiöse Bekehrung zunutze.

5. Führungsstile in Gruppen. Hier sind vor allem autoritäre, demokratische und gleichgültige Verhaltensweisen des Führers untersucht worden. Eine andere Einteilung unterscheidet den autoritären vom sozial-integrati-ven (einordnenden) Führungsstil (Erziehung). Bei diesem machen sich gegenüber dem autoritären Führungsstil, bei dem der Führer alle Handlungen festlegt und nach Maßstäben beurteilt, die den Gruppenmitgliedern nicht bekannt sind, folgende Veränderungen bemerkbar: Die Leistung wird bei gleicher Menge in der Beschaffenheit besser, schöpferischer und vielfältiger. Durch die zurückhaltende, freundliche und teilnehmende Art des Führers wird selbständiger gearbeitet und treten mehr eigene Beiträge an die Stelle vorsichtigen Abwartens. Die Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern sind eher durch Zusammenarbeit als durch Wettbewerb und Aggressionen gekennzeichnet.
 
     
 
 
 
     
 
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