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Autoritär

 
     
   
Autoritär nannten der Soziologe Theodor W. Adorno und seine Mitarbeiter einen Persönlichkeitstyp, der nur ein schwaches Selbstbewußtsein oder Ich entwickelt hat und deshalb eine Autorität sucht, nach der er sich richten kann, und von der er sich Schutz verspricht. Sein Gewissen oder Über-Ich ist nicht mit ihm verwachsen, sondern vertritt gleichsam eine fremde Macht. Solange er einem Führer und dessen Gesetzen folgt, sieht er seine eigenen Fehler nicht als Schuld. Er erwartet, daß die Macht, der er sich unterstellt hat, seine eigenen Verfehlungen an anderen straft, die nicht zur gleichen Gefolgschaft gehören. Für seine eigene Unterordnung entschädigt er sich, indem er Macht über Schwächere ausübt. Er folgt also dem »Radfahrer-Prinzip«: nach oben buckeln, nach unten treten. Er will, daß die Autorität, an die er sich gebunden hat, unter allen Umständen unbefragt bleibt. Das Konzept der autoritären Persönlichkeit entstand auf Grund der unmittelbaren Erfahrungen mit dem Faschismus und dem Hitlerregime. Autosuggestion, absichtliche oder unbewußte Selbstbeeinflussung, bei der man sich gewisse Empfindungen sozusagen einredet. Die gewollte Autosuggestion war das Prinzip der Heilmethode des französischen Apothekers Coue, der empfahl, sich selber immer wieder den Satz vorzusagen: »Es geht mir jeden Tag besser und besser.« Aus ungewollter Autosuggestion entstehen manchmal Halluzinationen und neurotische Symptome. Wenn jemand eine Idee vertritt oder verteidigt, indem er unstimmige Argumente vorbringt, die unter dem Niveau seiner Intelligenz und Bildung liegen, heißt das nicht, daß er ein Betrüger sein muß; er kann sich auch durch Autosuggestion dazu gebracht haben, an sie zu glauben, weil es in seinem Interesse liegt, daß andere daran glauben. Bande, eine Gruppe, die ein von der Umwelt abweichendes Verhalten praktiziert und möglicherweise auch rebellische Ziele verfolgt, jedoch in sich mehr oder weniger streng organisiert ist. Anders als in einer »Horde« oder einer anderen lockeren (»informellen«) Gruppe sind Führung und Unterordnung festgelegt. Es herrschen interne Normen und Wertvorstellungen. Besonders Mut nach außen und Gehorsam nach innen gelten als Tugend. Oft werden auch besondere Rituale gepflegt. Innerhalb der Bande entsteht also so etwas wie eine Gegenkultur. Knaben im Pubertätsalter schließen sich spielerisch zu Banden zusammen, früher nach dem Muster von »Räuber und Gendarm«, heute gern im Wildwest-Stil. Auf diese Weise protestieren sie gegen die Bravheit, die Eltern und Erzieher von ihnen erwarten, bereiten die Lösung aus der kindlichen Abhängigkeit vor und proben die Auseinandersetzung im männlichen Wettbewerb wie den Zusammenschluß in frei gewählter Gemeinschaft. Viele berühmte Jugendbücher haben solche jugendlichen Banden-Abenteuer verherrlicht. In den Jahren zwischen Pubertät und voller Reife, der Adoleszenz, steht hinter Banden-Bildungen eine sehr viel ernstere Problematik. Hier ent stehen Banden unter Verhältnissen, in denen die jungen Menschen in ihren Familien keinen Halt finden, keinen sinnvollen Lebensweg vor sich sehen und die gelehrte Moral als heuchlerisch und feindlich empfinden. In der Bande kämpfen sie gegen die unwirtliche Umwelt und suchen neue, vermeintlich bessere Bindung. Diesem Muster folgen die kriminellen Banden. Einst waren sie Räuber, Piraten und »Banditen«. Heute haben wir den amerikanischen Ausdruck »Gang« übernommen, und sprechen von »Gangstern«. Auch die Organisationen von Anarchisten nennen wir »Banden«. Der straffe Zusammenhalt in einer Bande und der Mut ihrer Mitglieder haben immer so etwas wie Respekt abgenötigt. Banditen wurden sogar romantisiert. Viele Jugendorganisationen wie »Pfadfinder« und »Wandervogel« haben versucht, den jugendlichen Hang zur Bandenbildung auszunutzen und in einer gesellschaftlich anerkannten Weise zu kanalisieren. Auch im Krieg und bei Kommandounternehmen werden bandenähnliche Formationen eingesetzt.
 
     
 
 
 
     
 
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