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Autorität

 
     
   
Das Wort leitet sich vom lateinischen auetoritas ab; die ursprüngliche Bedeutung betrifft nicht die formelle Amtsgewalt (potestas), sondern eine als vorbildhaft anerkannte Macht. Das gleiche drückt sich noch heute umgangssprachlich in Bemerkungen aus wie «Lehrer A. hat mehr Autorität als Lehrer B.», obwohl doch beide als Lehrer dieselben Machtmittel in der Hand haben (zum Beispiel Noten zu geben). Die psychologische Bedeutung dieser Autoritätsunterschiede liegt wohl darin, daß der erste Lehrer eher als Vorbild anerkannt wird als der zweite. Die im Zug der Diskussion über die antiautoritäre Erziehung (autoritäre Persönlichkeit) manchmal gestellte Frage, ob denn Autorität überhaupt notwendig sei, kann so undifferenziert nicht beantwortet werden. Für das kleine Kind ist jede erwachsene Bezugsperson eine Autorität. Sie wird in vielen Lebensbereichen als Vorbild anerkannt. Unter den Lebensumständen der Primitivkultur reicht diese Form der Autorität, das heißt das unmittelbare Vor-Leben einer erfolgreichen Lebensbewältigung, wohl aus. Unter den Umständen der Hochkultur muß sie durch spezielle Erziehungsmaßnahmen ergänzt werden. Immer aber gibt es Lebensbereiche, in denen Autorität anerkannt wird, wo es sich um sachlich begründete Autorität handelt, etwa um die Autorität eines Chirurgen oder eines Piloten, was Operation oder die Handhabung eines Flugzeugs angeht. Fragwürdig ist immer nur die Autorität, welche einen sachlich nicht begründeten oder über das Begründbare hinausgehenden Totalanspruch stellt («Du tust das, weil ich es sage» in der Erziehung, oder etwa «weil es göttliche Offenbarung ist» in der allgemeinen Lebensgestaltung). Formelle (durch den Vorgesetztenstatus verliehene) Autorität wird oft die informelle (auf keinen sozialen Vorrang gegründete, in der Persönlichkeit verwurzelte) Autorität verstärken. Zu erheblichen Konflikten kommt es, wenn in einer Gruppe der formelle «Führer» weniger Autorität hat als einer seiner formellen Untergebenen.
 
     
 
 
 
     
 
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