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Gehorsam

 
     
   
die Unterordnung unter Gebote und Verbote einer vorgegebenen Autorität. Gelernt wird der Gehorsam vom Kinde durch die Erziehung seiner Eltern. Ungehorsam wird durch Strafe oder Liebesentzug geahndet, Folgsamkeit mit Liebeserweis und Anerkennung belohnt. Da das Kind die Berechtigung vieler Gebote und Verbote noch nicht einsehen kann, ist die Erziehung zum Gehorsam bis zu einem gewissen Grade unentbehrlich. Sie wird sich aber auf die Dauer nicht auf eine bloße Macht stützen können, die Gehorsam erzwingt, und auch nicht auf eine Autorität, die nicht in Frage gestellt werden dürfte. Das wäre keine Erziehung, sondern nur Drill, der versagen müßte, sowie das Kind einmal neuen Situationen allein gegenübersteht. Der Erzieher müßte vielmehr glaubhaft machen, daß er den Gehorsam wirklich dem Kinde »zu Liebe« fordert, und nicht etwa um der eigenen Bequemlichkeit willen, und auch nicht bloß, um seine Macht zu beweisen. Er müßte zeigen, daß er sich an seine Gebote selbst hält. Er müßte die Einsicht des Kindes so fördern, daß es schließlich den Geboten dank der eigenen Vernunft statt bloß aus Gehorsam folgt. Die Autorität der Eltern wird später von Lehrern, Ausbildern, Vorgesetzten und politischen Führern beansprucht. Es scheint das einfachste zu sein, einen bedingungslosen Gehorsam zu erzwingen. Aber er führt als Kadaver-Gehorsam nur zu einer Macht über Automaten, die auch dann nicht mehr selbständig handeln könnten, wenn sie aus der Aufsicht und Verantwortung der Befehlshaber entlassen sind. Nur in Situationen einer unmittelbaren Gefahr für viele, die sich nicht schnell genug darauf einstellen können, tritt der spontane Gehorsam einem gerade überlegenen Führer gegenüber wieder in das Recht, das er für das kleine Kind gehabt hat. Die Erziehung der Eltern, namentlich des Vaters, bewirkt manchmal einen Gehorsam, der weit über den unmittelbaren Einfluß hinausgeht. Ein Sohn, der gegen den Vater rebelliert hat, um sich von ihm zu lösen und einen eigenen Weg zu gehen, zollt ihm oft, wenn er selbst Mann geworden ist, einen »nachträglichen Gehorsam«, indem er sein Leben nun doch nach dem Vorbild des Vaters einrichtet. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Friedrich II. von Preußen, der sich als Kronprinz dem starren militärischen Reglement seines Vaters, des Soldatenkönigs widersetzt hat und seine Protesthaltung auch durch musische Interessen ausdrückte, und der dann doch als »Friedrich der Große« genau die Ziele verfolgt hat, zu denen sein Vater ihm die Mittel hinterlassen hatte.Soziale Tiere entwickeln oft eine Rangordnung, und zwar um so zuverlässiger, je höher sie organisiert sind. Von der «Hackordnung» der Hühner zu den komplizierteren Strukturen der Wolfsrudel oder Pavianhorden beruht das Grundprinzip der Hierarchie darauf, daß ein niederrangigeres Individuum sich in der Anwesenheit eines höherrangigen so verhält, wie es dieses fordert. Die kulturelle Formulierung dieser Situation spricht vom Gebot des Gehorsams, welcher der «Obrigkeit» geschuldet ist; wer gehorcht, kann in dieser Situation seine sonstigen inneren Normen außer acht lassen. In den bekannten Versuchen von Stanley Milgram war ein hoher Prozentsatz der Versuchspersonen (in der Regel etwa zwei Drittel) bereit, als fiktive «Lehrer» einem «Schüler» (tatsächlich einem Mitarbeiter Milgrams) schmerzhafte, zum Teil als lebensgefährlich ausgewiesene Stromschläge zu versetzen, obwohl das Opfer jammerte, um Schonung bat usw. Erst als die Versuchspersonen angewiesen wurden, die Hand des «Opfers» selbst auf die Schockfläche zu drücken, verweigerten sich mehr Versuchspersonen als sich fügten. Wurden die Versuchspersonen aber Zeuge, daß sich eine andere Versuchsperson (in Wahrheit ein vom Versuchsleiter instruierter Schauspieler) widersetzte, so verweigerten 90 Prozent ebenfalls. Konformität.
 
     
 
 
 
     
 
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