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Adoleszenz

 
     
   
die Zeit des »Heranwachsens« zwischen Pubertät und vollen Erwachsenen-Status, also heute etwa zwischen 13 und 25. In primitiveren Kulturen wird das Kind nach dem Erreichen der Geschlechtsreife sogleich als Erwachsener betrachtet. Der Übergang wird durch Einweihungsriten und für Knaben durch Aufnahme in einen Männerbund erleichtert und reguliert. In höheren Kulturen schiebt sich zwischen Geschlechtsreife und volle soziale Mündigkeit eine Periode von mehreren Jahren, die unter anderem der Berufsausbildung dienen sollen. In ihnen ist der Jugendliche zwar noch verschiedenen Beschränkungen unterworfen, genießt aber zugleich eine gewisse Freiheit, ehe er die Verpflichtungen eines Amtes und einer Ehe auf sich nehmen soll. Die Wanderjahre des Handwerksgesellen sollten ihm eine breitere Erfahrung ermöglichen, ehe er sich als Meister wieder seßhaft machte. Noch deutlicher zeichnete sich in der Sonderstellung der Studenten die Möglichkeit ab, während der Adoleszenz auch die Sexualität zu erproben, ehe sie in die Einehe gebunden werden mußte. Freilich gab es die Erfahrungen und Freiheiten im Bürgertum lange Zeit nur für den heranwachsenden Mann, während das geschlechtsreife Mädchen keine Berufsausbildung erhielt und sexuell auf eine Art Dornröschen-Schlaf verwiesen wurde, aus dem es erst der »Prinz« als Freier wecken durfte. Heute hat sich die Adoleszenz weiter verlängert, einmal durch die gestiegenen Anforderungen an die Berufsausbildung, zum anderen dadurch, daß die Geschlechtsreife in allen Kulturstaaten merklich früher eintritt (Akzeleration). Aber die Sitten, die früher diese Übergangszeit regelten, sind verblaßt. Die Kluft zwischen den Jugendlichen und den etablierten Generationen hat sich vergrößert, weil sich die Lebensumstände durch gesellschaftliche und technische Neuerungen so schnell verändern, daß die Maßstäbe der Älteren den jungen Menschen nicht mehr überzeugen können. So ist die Adoleszenz heute mehr denn je durch eine tiefe Unsicherheit gekennzeichnet. Zwar ist die sexuelle Freiheit des Jugendlichen gestiegen und erstreckt sich nun auch auf die Mädchen. Aber ihr steht eine Sehnsucht nach Geborgenheit entgegen, die meist unerfüllt bleibt, weil Bindungen in Liebe noch nicht eingegangen werden können. Das freiere Miteinander der Geschlechter, die ähnliche Berufsziele verfolgen, hat zwar manche Scheu und manche Vorurteile abgebaut, die einst die Geschlechter-Beziehungen belasteten, aber dadurch ist es auch schwieriger geworden, eine Geschlechtsrolle als Mann oder Frau zu finden. Alle anderen Schwierigkeiten aber überragt das Problem einer Gesellschaftsordnung, die dem jungen Menschen fragwürdig vorkommen muß, zu deren Änderung er aber kaum Chancen sieht. So wird er zu einer Rebellion getrieben, die eigentlich kein Ziel hat. Die rebellischen Tendenzen der Adoleszenz werden zwar zu einem gewissen Teil kanalisiert, indem man den Jugendlichen eine Subkultur mit eigener Mode (z. B. Jeans), eigener Musik (»Pop«), eigenen Geselligkeitsformen (z. B. in der Diskothek) anbietet – und daraus ein Geschäft macht. Doch das genügt offensichtlich nicht, wie sich an der sinnlosen Zerstörungswut der »Rocker«, der Gesellschaftsverweigerung der »Hippies« und dem »Ausflippen« der Drogenabhängigen zeigt.Stadium des Jugendalters nach der Pubertät, in dem der junge Mensch vor der Aufgabe steht, nach dem körperlichen Reifungsschritt seinen Platz in der Welt der Erwachsenen zu finden. Die wichtigsten Probleme dieser Lebensperiode sind Berufswahl und Partnerwahl. Beide sind nur in einem Prozeß der Konzentration und damit auch des Verzichts realitätsgerecht zu lösen. Die oft sehr hoch angesetzten Idealvorstellungen (Ich-Ideal) der Pubertät werden dabei an der Wirklichkeit geprüft und im günstigen Fall auf ein erreichbares Maß zurückgeschraubt. Im ungünstigeren Fall, der für eine Neurose typisch ist, gelingt dieser Kompromiß zwischen Ideal und Realität nicht. Der Heranwachsende findet keinen Weg in vertrauensvolle Partnerbeziehungen, weil keiner der erreichbaren Partner seinen Vorstellungen entsprechen kann und er sich enttäuscht in Tagträume und Phantasien zurückzieht. Auch die Fixierung an ein überhöhtes berufliches Ideal kann die realistische Leistungsfähigkeit hemmen und am Ende zu dem Erscheinungsbild des «verkannten Genies» führen, das durch großartige Projekte sein tatsächliches Versagen bemäntelt. Jugend
 
     
 
 
 
     
 
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