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Minderheiten

 
     
   
bestimmte Gruppen in einer Gesellschaft, die sich nach ihrer Herkunft, ihren Sitten, ihren Wertvorstellungen oder ihren sozialen Verhältnissen deutlich von der Mehrheit, dem Durchschnitt, unterscheiden. In modernen Staaten leben verschiedene Volksstämme und Anhänger verschiedener Religionen und Weltanschauungen nebeneinander. Dazu kommen Gruppen, deren beruf liche Arbeit abweichende Lebensverhältnisse schafft, etwa Künstler, Seeleute, Wanderberufe. Wieder andere unterscheiden sich infolge ihrer Anlage und Entwicklung von der anerkannten Norm, so zum Beispiel die Homosexuellen. In gewissen Schichten am Rande der Gesellschaft (vgl. marginal) gibt es kaum eine Möglichkeit zur Ausbildung und zum äußeren Erfolg. Sie müssen sich in diesen Verhältnissen einrichten. Auch Altersgruppen, so heute die Jugendlichen, grenzen sich gegen die »etablierte« Gesellschaft ab. Wenn es nur nach den Stimmen der Mehrheit ginge, wären alle diese Gruppen von vornherein benachteiligt, so daß es in einer »pluralistischen« Gesellschaft besondere Gesetze zum Schutz von Minderheiten geben muß. Aber so kann eine tatsächliche Benachteiligung und vor allem eine gefühlsmäßige Ablehnung durch die Mehrheit nicht verhindert werden. Die Benachteiligung der Frauen zeigt, daß auch eine ganze Hälfte der Bevölkerung mit einem kleineren Anteil an Macht wie eine Minderheit behandelt werden kann. Zum Schutz gegen Benachteiligung und Verachtung (Diskriminierung) schließen sich viele Minderheiten noch enger zusammen, betonen noch ihre Besonderheiten und entwickeln fast planmäßig eine eigene Sitten-und Wertordnung als Subkultur. Der Druck, der auf sie ausgeübt wird, löst nicht selten eine kämpferische Protesthaltung aus. Die Mehrheit wendet sich gegen die Sondergruppen schon deshalb, weil sie anders sind. Denn mit der Ordnung in einer Subkultur stellt sich ja heraus, daß die anerkannte Norm nicht die einzig »richtige« ist. Das erschüttert den Glauben, in dem man sich sicher und besser wähnte. Die Reihe der Minderheiten, die unter dem Regime des Nationalsozialismus verfolgt wurden, läßt sich kaum aufzählen: man war gegen die Juden, die Freimaurer, die Kommunisten, die Intellektuellen, die slawischen »Untermenschen«, die Zigeuner, die Katholiken . . . Mit diesem Kampf nach allen Seiten sollte die »Volksgemeinschaft« gestärkt werden, in der es ja auch Gegengefühle gab, die auf die Minderheiten als Feindgruppen abgelenkt werden konnten. Bei den rassischen Minderheiten, die besonders häufig und besonders heftig verfolgt wurden oder noch werden, den Juden und den US-amerikanischen Negern, zeigt sich, daß man ihnen Eigenschaften andichtet, die man selbst gern hätte, und Verbrechen zur Last legt, die man selbst gern begehen möchte. Ganz auffallend ist die sexuelle Potenz, die man ihnen nachsagt, und im Zusammenhang damit die Zahl der Vergehen gegen die sexuelle Moral, die man ihnen zutraut. Im Haß auf die Minderheit schwelt Neid, und in ihm drückt sich zugleich das Schuldgefühl wegen der eigenen verbotenen Wünsche aus, das nun auf die Minderheit als einen Sündenbock abgewälzt wird. Manchmal wird eine sehr kleine, aber besonders aktive und aggressive Minderheit zum »Gesellschaftsfeind Nummer Eins« aufgebaut. Der Haß, der gegen sie angestachelt wird, dient in oft recht auffallender Weise dazu, von Schwierigkeiten innerhalb der angepaßten Gesellschaftsschichten abzulenken.
 
     
 
 
 
     
 
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