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Weltanschauung

 
     
   
»eine intellektuelle Konstruktion, die alle Probleme unseres Daseins aus einer übergeordneten Annahme einheitlich löst, in der demnach keine Frage offenbleibt und alles, was unser Interesse hat, seinen bestimmten Platz findet« (Freud). In den Religionen liegt das Zentrum eines solchen Denksystems in einem göttlichen Prinzip, in den Philosophien in einer Wertordnung, die das Verhältnis der Menschen zur natürlichen Umwelt wie zueinander bestimmen soll. Alle Weltanschauungen in diesem strengen Sinne stellen eine Überbewertung gewisser Zusammenhänge und eine Vernachlässigung anderer Faktoren dar. Keine von ihnen kann die Widersprüchlichkeiten der Realität fassen. Darum ist eine jede von ihnen auch höchst unterschiedlich interpretierbar. Weltanschauungen scheinen den Vorteil zu bieten, daß man keinen Zweifeln mehr ausgesetzt ist und sich in einem gut geordneten System sicher fühlt. Sie schließen meist Lebensregeln ein, deren Einhaltung Erfolg oder Glück verheißt. Die Erfahrung müßte lehren, daß kein Weltanschauungssystem diese Versprechungen einhalten kann, wenn es nicht die Illusion der Geborgenheit gäbe, die das Wunschdenken befriedigt. Es ist oft so mächtig, daß die Widerlegung des Glaubens nicht wahrgenommen wird, oder aber daß man sich mit einer Erfüllung in einem Leben nach dem Tod über die Enttäuschungen hinwegtrösten kann. Die Weltanschauung, die sich aus der Wissenschaft ergibt, also aus der ständigen kritischen Auseinandersetzung mit der Realität, verspricht zwar auch einen Fortschritt, etwa in Form der Technik, ist aber in sich selbst von Zweifeln und Fragen abhängig und kann niemals die scheinbare Sicherheit bieten, die ein Glaubenssystem verspricht. Neben den als System formulierten Weltanschauungen gibt es mehrere Grundeinstellungen, die man manchmal auch »Weltanschauung« nennt, besonders im deutschen Kulturraum. Man kennt weithin kaum die Systeme der »Dichter und Denker«, übernahm von ihnen nur allgemeine Formeln, die unzulässig verallgemeinert und oft genug mißverstanden worden sind. Oft geht es nur noch darum, von welchem Blickwinkel aus man >die Welt anschaut. Die einen sind auf Beharrung eingerichtet, weil sie Geborgenheit suchen; ihre Grundanschauung ist konservativ. Die anderen wollen Veränderung, weil sie sich nach Freiheit sehnen; sie sind progressiv oder vielleicht sogar revolutionär gestimmt. Ähnlich steht es mit den Vorentscheidungen zwischen Glaubensbereitschaft und Skepsis; zwischen Optimismus, Pessimismus und Fatalismus; zwischen Menschenfeindschaft und Menschenliebe. In diesem Sinne ist »Weltanschauung« ein Charakterzug. Allerdings mag sie sich mit dem Alter ändern. Rebellion findet sich häufiger bei der Jugend, und die Bereitschaft zur Anpassung wächst meist mit der Erfahrung. Weniger anspruchsvoll als der Begriff »Weltanschauung« ist der eines »Weltbildes«, in dessen Zusammenhang die meisten Erfahrungen und Erwartungen gleichsam einen vorläufigen Platz zugewiesen erhalten, ohne daß ein starres System entsteht. Auch wenn man sich nicht an eine vorgeformte Ideologie bindet, wird man sich meist an einen Gradmesser halten, nach dem man bestimmte Werte höher einschätzt als andere und gerade sie zu verwirklichen sucht.
 
     
 
 
 
     
 
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