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Glück

 
     
   
ein Zustand der Wunscherfüllung. Man kann »Glück haben«, also durch einen Zufall begünstigt oder vor Gefahr geschützt worden sein. Dieses Glück sucht man im Glücksspiel oder im Abenteuer. Man beschwört es mit Amuletten, Talismanen, Maskottchen und in anderen Formen des Aberglaubens. Die Glückssymbole, die alle zugleich Sexual-Symbole sind, deuten darauf hin, daß die geschlechtliche Befriedigung das Muster aller Glückseligkeit ist. Man »ist glücklich«, wenn man derart keine Wünsche mehr hat. Freud meinte: »Die Absicht, daß der Mensch >glücklich< sei, ist im Plan der >Schöpfung< nicht enthalten.« Das liegt nicht nur an den widrigen Umständen der Außenwelt, sondern auch in unserer seelischen Konstitution begründet. Wir suchen Kontraste als Reiz; eine idyllische Ruhe empfinden wir nur als laues Behagen. In einem anderen Zusammenhang erklärte Freud »Glück« als die nachträgliche Befriedigung eines Kindheitswunsches. Wirklich schwärmen wir ja besonders gern von vergangenen Tagen, obwohl sie bestimmt nicht so glücklich gewesen sind, wie die Erinnerung sie inzwischen erscheinen läßt. Die Unsicherheit des Glücks, das wir real erfahren können, ist in vielen Sprichwörtern und Allegorien (z. B. als Fortuna auf dem Flügelrad) dargestellt worden. So suchen wir das Glück zu erzwingen, wollen mit materiellen Erfolgen »unser Glück machen« und behaupten gar: »Jeder ist seines Glückes Schmied.« So verlangte Friedrich der Große von seinen Offizieren, daß sie »Fortune« haben; und auch darin steckt eine Wahrheit. Es gibt Menschen, die Glückskinder, und andere, die Pechvögel sind. Ihr Charakter hat sich in einer Weise entwickelt, daß sie entweder das Glück zu finden wissen oder immer wieder an seiner Schwelle scheitern. Es scheint eine Starrheit zu sein, die manche Menschen unfähig macht, das Glück zu ergreifen. Sie ist in bestimmten Erfahrungen verankert, die sich zu einem Komplex verknotet haben. Die Kette der Mißerfolge gehorcht dann einem unbewußten Wiederholungszwang. Schiller dichtete mit Bezug auf den Astrologie-gläubigen Wallenstein: »In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne.« Was als Fähigkeit zum Glück »in die Brust gelegt« worden sein kann, deutete Freud in einer Aussage über Goethe (und über sich selbst) mit den Worten: »Wenn man der unbestrittene Liebling der Mutter gewesen ist, so behält man fürs Leben jenes Eroberungsgefühl, jene Zuversicht des Erfolges, die nicht selten wirklich den Erfolg nach sich zieht.«
 
     
 
 
 
     
 
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