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Schicksal

 
     
   
die Summe der unvorhersehbaren, unbeeinflußbaren und im Grunde unverständlichen Einflüsse auf das Leben des Menschen. Man sah in ihm eine unpersönliche Macht, die noch über den Göttern stand. Man gliederte es gleichsam in Einzelkräfte, die man in Geistern oder Dämonen verkörpert sah (Animismus), aber die man nun glaubte, wie Wesen beeinflussen zu können (Magie). So suchte man sich gegen den Eindruck abzuschirmen, man sei dem Schicksal hilflos ausgeliefert. Erst mit dem Monotheismus wurde alles Geschehen dem einen Gott zugeordnet, den man sich zugleich wie einen fürsorgenden Vater vorstellte. Das Glück wurde als Belohnung für den Gehorsam und die Liebe ihm gegenüber verstanden, das Unheil als verdiente und reinigende Strafe. Doch wenn die Erfahrung diesem Glauben der Religion zu offenkundig widersprach, mußte man wieder zu der Einsicht zurücckehren: »Gottes Ratschlüsse sind unerforschlich« –sind unbegreifliches Schicksal. Man kann ihm mit Hoffnung und Wunschdenken begegnen, als Optimist, und muß dann mit Enttäuschungen bezahlen. Man kann das Schlimmste erwarten, als Pessimist, und nimmt sich damit jede Freude an einem augenblicklichen Glück. Man kann auf das Gute wie das Schlechte gleichermaßen gefaßt sein, als Fatalist, ohne es jedoch einfach hinzunehmen, sondern auch in der Entschlossenheit, jeweils das Beste daraus zu machen. Die Einstellung zum Schicksal ist ein Teil des Charakters, wie er sich aus angeborener Anlage und früher Erfahrung gebildet hat. Als Schicksal empfinden wir aber auch manches von dem, was in uns selbst liegt. Das sind nicht nur die Schwächen unserer Anlage, über die wir nie ganz hinwegkommen. Unser Triebleben selbst ist uns unbewußt, kommt uns deshalb fremd vor. Die Worte »Besessenheit« oder »Leidenschaft« drücken das aus. Ins Unbewußte abgesunken sind zudem viele der frühen Erfahrungen, die wir verdrängt haben, weil sie unser Selbstgefühl und unseren Wunsch nach Liebe verletzten. Aus solchen Konflikten sind die Komplexe gebildet, die unser Leben oft so unkontrollierbar bestimmen wie das äußere Schicksal. Sie sind die Quelle der kleinen Fehlleistungen und manchen großen Scheiterns. Oft werden wir krank oder erleiden einen Unfall, weil wir es unbewußt wollen – um ein Op fer zu bringen und unser Strafbedürfnis zu befriedigen und auch um mitmenschliche Zuwendung zu erzwingen. Vielfach läßt sich kaum entscheiden, ob das Schicksal uns oder wir das Schicksal bestimmen. Es gibt von Menschen gemachte Ereignisse, denen der Einzelne hilflos ausgeliefert ist wie einem unpersönlichen Schicksal, unter ihnen als das grausamste den Krieg. Aber anders als ein Erdbeben oder eine Sturmflut ließe er sich durchaus abwenden, wenn genügend Einzelne den Trieben widerstünden, zu deren Freigabe sie aufgerufen werden, und die Verführung (Demagogie) durchschauten, die sie in den Strudel ziehen soll.
 
     
 
 
 
     
 
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