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Ontogenese

 
     
   
nach der These des Naturphilosophen Ernst Haeckel die Rekapitulation der Phylogenese. Die Konzeptgeschichte von "Ontogenese" hängt unmittelbar zusammen mit den Studien und Kontroversen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Evolution des Menschen. Das bekannteste Beispiel für die Rekapitulation ist die Entdeckung der Kiemenspalten und der dazu passenden Arterienbögen, die an jeder Halsseite des Embryos zwischen der vierten und sechsten Keimlingswoche ausgebildet werden – und dann wieder verschwinden. Die von Bischof (1989) konstatierte verblüffende Ähnlichkeit mit der Anatomie der Fische weist zwar unübersehbar darauf hin, daß der Mensch von wasserlebenden Vorfahren abstammt; er hält allerdings die Formulierung des sog. biogenetischen Grundgesetzes von Haeckel (im Gefolge von Darwin) für zu optimistisch und in seiner Reichweite begrenzt. Besagte Gesetzmäßigkeit bezüglich der Ontogenese des Individuums bezieht sich ursprünglich auf die vorgeburtliche Entwicklungszeit von der Eizelle über die Embryonalstadien bis zur Reife. Analog zu dieser biologistischen Widerspiegelung formulierte G. S. Hall (1904) das psychogenetische Gesetz, wonach Kindheits- und Jugendentwicklung die Entwicklungsstufen der Menschheitsgeschichte rekapituliere.

Von diesen Vorstudien zur Hominisation trennte sich der moderne Ontogenese-Begriff nahezu vollständig und ist eintauschbar gegen jedes Konzept individueller (Human-) Entwicklung, das von der Eizelle bis zum Tode reicht und sich Erlebens- und Verhaltensänderungen zum Gegenstand der Deskription und Explikation macht. Von ontogenetischen Veränderungsreihen, welche die Wahrnehmungsleistungen, die Motorik, das Lernen, Sprechen, Denken und Entscheiden betreffen, unterscheidet Schmidt (1977) die phylogenetischen Veränderungsreihen insbesondere aus der Ethologie und die aktualgenetischen Veränderungsreihen, die von der Allgemeinen Psychologie untersucht werden.

Literatur

Schmidt, H.-D. (1977) Allgemeine Entwicklungspsychologie. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften.


 
     
 
 
 
     
 
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