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Ganzheit

 
     
   
eine gegliederte, aus mehreren Elementen bestehende Einheit, die »als Ganzes« mehr ist als die »Summe der Teile«. Für die Psychologie betonte als erster der Philosoph Wilhelm Diltey (t 1911) den ganzheitlichen Zusammenhang des seelischen Lebens. Die eigentliche »Ganzheitspsychologie« entwickelte Felix Krueger (t 1948), zu dessen »Leipziger Schule« auch Albert Wellek (t 1972) gehört. Man wendet sich hier gegen die Auffassung, das Erleben sei aus einzelnen Empfindungen, Reaktionen und Assoziationen zusammengesetzt, da es doch unmittelbar als Einheit aufgenommen werde. Ihre Bedeutung erlangte die Ganzheitspsychologie nicht zuletzt im Gegensatz zur zergliedernden Tiefenpsychologie. Man hatte Freud auch von anderer Seite vorgehalten, der »Psychoanalyse« müsse eine »Psychosynthese« folgen. Das ließe sich aber nur durch einen vorschreibenden Einfluß des Therapeuten bewerkstelligen, der das Gegenteil einer Hilfe zur Selbständigkeit und seelischen Reifung wäre. Nach einer korrekten analytischen Behandlung, zu der auch die Ablösung vom Analytiker gehört, können sich die »Teile«, die in ihrer Bedeutung und ihrem Verhältnis zueinander »richtiggestellt« worden sind, gleichsam von selbst zum Ganzen ordnen. Es ist unbestreitbar, daß wir in »Ganzheiten« erleben, und daß wir Erlebnisräume wie etwa die Familie als Strukturen erfassen. Aber wir können solche Erfahrungen doch nur verstehen, wenn wir die Elemente bedenken, die in ihnen zusammenwirken. Jeder kennt widersprüchliche Gefühle, und eine Familienstruktur kann wieder zerfallen. Auch die Ganzheitspsychologie entgeht nicht der Notwendigkeit, Zusammenhänge zu teilen, so wenn sie von Glied oder Teilstrukturen spricht, etwa von der Musikalität eines Menschen als einem Teil seiner Begabungen. Die Ganzheit eines Erlebens oder einer Gemeinschaft ist im Grunde die Dynamik zwischen Kräften, die sich summieren oder auch hemmen, die sich immer neu aufeinander beziehen, vergleichbar einem Magnetfeld, das sich nur zwischen Polen bildet und doch wie etwas Eigenes wirkt.
 
     
 
 
 
     
 
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