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Feste

 
     
   
auf bestimmte Termine festgelegte Feiern, die den Jahres oder Lebenslauf gleichsam gliedern und das Einerlei des Alltags unterbrechen. Die Jahresfeste folgen dem Wechsel der Jahreszeiten. So wurde der Frühling, in dem die Natur ihre Fruchtbarkeit wieder entfaltet, mit Fruchtbarkeitsfeiern begrüßt, das Ende des Sommers als Erntedank gefeiert und die Mitte des Winters in der Hoffnung auf sein Ende mit Sonnenwendfeiern markiert. Unter dem Einfluß des Christentums haben diese Naturfeste einen religiösen Übersinn bekommen als Gedenktage an Christi Auferstehung, an die Ausgießung des Heiligen Geistes und an Christi Geburt. Es scheint, als sei an den Festen entscheidend, daß man sich von der übli chen Sparsamkeit beim Essen und Trinken, von Pflichten und Beschränkungen löst. Einst wurden die Frühlingsfeste mit rituellen Orgien begangen. Sie waren Entlastungssitten, die einen Teil der üblicherweise unterdrückten Sexualität vorübergehend freisetzen sollten. Etwas davon hat sich noch in unserem Karneval vor der Passionszeit erhalten. Zugleich folgten die Frühlings-Orgien einem magischen Glauben: die Menschen meinten, die Geister der Fruchtbarkeit zur Nachahmung anregen zu können, wenn sie ihre eigene Zeugungskraft demonstrierten. Die Beziehung der Feste zu einem Geisterglauben (Animismus) ist bis heute deutlich geblieben bei den Sitten der Jahreswende; das Silvester-Feuerwerk hat eigentlich den Sinn, mit »Donner und Blitz« die Dämonen zu vertreiben. Denn nicht immer dienen Feste direkt der Freude. Manche sollen auch dazu verhelfen, seelische Gefahren zu bannen. Das zeigt sich besonders an den Festen, die den Einschnitten des Lebenslaufs zugeordnet sind. Einweihungsriten sollen dem erwachsen gewordenen Kind über die Schwierigkeiten der Ablösung von der Familie hinweghelfen. Der Polterabend vor der Hochzeit stellt einerseits eine Art Entgelt für die Ansprüche anderer Männer an die Braut dar und nimmt andererseits die Defloration symbolisch voraus. Die Feiern um Tod und Begräbnis erleichtern den Hinterbliebenen die Überwindung der Trauer, und nicht selten gehen sie in einen durchaus wieder fröhlichen »Leichenschmaus« über. Zum Wesen der Feste gehört nicht nur, daß sie an Termine gebunden sind, sondern auch, daß sie in einer größeren Gemeinschaft gefeiert werden. Nur durch die Sitte und nur in der Gemeinschaft scheint die Befreiung von den sonst üblichen Sitten erlaubt; nur dank dieser Erlaubnis kann sich der Einzelne von seinen anerzogenen Hemmungen lösen und zur Ausgelassenheit finden.
 
     
 
 
 
     
 
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